Presse

 
12.01.2018
Zur Rettung von Menschen ist eine Zukunftsplanung überfällig
Rettungsdienst in Baden-Württemberg: Innenministerium muss handeln

Das Rettungswesen in Baden-Württemberg ist in den vergangenen Jahren selbst zum Patienten geworden und ist im deutschlandweiten Vergleich vor allem im Bereich der Hilfsfrist schlechter als in vielen anderen Bundesländern. Gleichzeitig verändern sich unter anderem aufgrund des demografischen Wandels die Rahmenbedingungen. In der Folge ist eine weitere Verschlechterung der Qualität des Rettungswesens in Baden-Württemberg absehbar. Zuständig für den Rettungsdienst in Baden-Württemberg ist das Innenministerium. Die Björn Steiger Stiftung sieht seit langer Zeit Handlungsbedarf, sowohl im Bereich der Veränderung bestehender Gesetze als auch im Bereich der Umsetzung zukunftsorientierter Maßnahmen.

Anders als in vielen anderen Bundesländern hat in Baden-Württemberg die Überschreitung der Hilfsfristen keine Konsequenzen. Das Innenministerium als regulierende Behörde nimmt regelmäßige Überschreitungen hin. Es erfolgen keine Sanktionen gegenüber den Leistungserbringern des Rettungsdienstes. Anders ist dies beispielsweise in Hessen. „In Hessen werden bereits Sanktionen bei der Nichteinhaltung der dort definierten Ausrückezeit und Fahrzeit verhängt, wenn die Begründungen nicht akzeptabel sind“, so Ulrich Schreiner, Geschäftsführer der Björn Steiger Stiftung Luftrettung gGmbH. „Sehen sich die Betreiber aufgrund Personal- oder Materialmangels nicht in der Lage die Zeiten einzuhalten, üben sie wiederum verstärkt Druck auf die Kostenträger, also auf die Krankenkassen aus. Dies wird dann in den Ausschüssen zwischen Krankenkassen, Landkreis (Rettungsdienstträger) und beauftragtem Leistungserbringer verhandelt und notfalls in der Landesschiedsstelle Rettungsdienst entschieden. Dieses Regulierungsmittel wäre auch für Baden-Württemberg wünschenswert, um Verbesserungen in Gang zu setzen.“

Weiteres Potenzial der Qualitätsverbesserung sieht die Björn Steiger Stiftung in der Trennung zwischen Notfallrettung und Krankentransport. In Baden-Württemberg werden derzeit Rettungswagen auch für Krankentransporte eingesetzt und sind somit für lebensbedrohliche Notfälle in diesem Zeitraum nicht verfügbar. Die Nach-Hause-Bringung eines Genesenen verhindert somit die Rettung eines akut erkrankten oder verunfallten Menschen. Die Lösung wäre eine eigene Organisationsstruktur für reine Krankentransportmittel. „Sinnvoll wären etwa fünf überregionale Dispositionszentralen für Baden-Württemberg, um die geplanten Transporte logistisch effizient zu organisieren“, so Schreiner.

Der Landkreis Waldshut hat unter den Mängeln im Rettungswesen im Land am meisten zu leiden; hier werden die Hilfsfristen am häufigsten überschritten. Aus diesem Grund fordert er seit über sieben Jahren einen Rettungshubschrauber, um eine schnellere Notfallversorgung zu gewährleisten. Das Innenministerium sitzt dieses Thema jedoch seit dieser Zeit aus. Die Björn Steiger Stiftung setzt sich seit 2015 für einen Dual-Use-Hubschrauber RTH/ITH am Standort Hütten ein. Mit einem zusätzlichen Hubschrauber müsste die Bevölkerung nicht wie bisher zu lange auf einen Notarzt warten (s. Tabelle). Eine luftrechtliche Genehmigung liegt bereits vor, doch das Innenministerium weigert sich nach wie vor die Betriebsgenehmigung zu erteilen. Stattdessen will es ein eigenes Gutachten zur Struktur der rettungsdienstlichen Versorgung in Auftrag geben, obwohl der Landkreis bereits letztes Jahr ein entsprechendes Gutachten erstellt und beim Innenministerium eingereicht hat. In der Folge wird die Region mindestens ein weiteres Jahr unterversorgt bleiben.

- „Wir verstehen nicht warum viele Verbesserungen, die seit langem diskutiert werden, nicht angepackt werden. Insbesondere im Südschwarzwald macht das Aussitzen von Entscheidungen die Lage zunehmend prekärer und lässt die Bürger im Regen stehen“, so Schreiner. Mit Blick auf die kommenden Jahre wird ein Handeln umso dringlicher. Aufgrund gesellschaftlicher und struktureller Veränderungen, wie beispielsweise demografischer Wandel, Klinikzentralisierung, Hausarztmangel, verändertes Notrufverhalten und vielem mehr sind Verbesserungen durch neue Konzepte im Rettungsdienst zwingend notwendig und bereits heute überfällig.

Hintergrundinformationen Hilfsfrist

Da der Rettungsdienst in Deutschland föderal organisiert ist, bestehen bundesweit 16 verschiedene Rettungsdienstgesetze. Dementsprechend hat jedes Bundesland eigene Vorgaben für die Hilfsfrist, also die Zeit, die nach dem Eingang des Notrufs bis zum Eintreffen der Rettungskräfte am Unfallort höchstens verstreichen darf. Die Hilfsfrist in Baden-Württemberg beträgt 10 bis höchstens 15 Minuten (in 95% der Fälle), was im bundesdeutschen Vergleich relativ lang ist. Vergessen wurden im Gesetz die Festlegung von Sanktionen und die Definition von Dispositionszeit, Ausrückzeit und Fahrzeit. Zudem wird die Hilfsfrist im Rettungsdienstgesetz als reine Planungsgröße verstanden.

Ziel der Hilfsfristen ist es das sogenannte therapiefreie Intervall beim Patienten so kurz wie möglich zu halten. Um die Genesung eines Notfallpatienten zu gewährleisten, müssen lebensrettende Sofortmaßnahmen möglichst zeitnah durchgeführt werden. Da bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand bereits in den ersten paar Minuten reanimiert werden sollte, versuchen private, ehrenamtliche Initiativen mit der Einrichtung von Helfer-vor-Ort-Gruppen/First Responder das therapiefreie Intervall noch kürzer zu halten.


Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung der bundesweit kostenfreien Notrufnummer 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen, Aufbau der Luftrettung oder die Einführung der kostenlosen Handyortung bei Notruf. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Frühgeborenentransport, der Breitenausbildung in Wiederbelebung und Frühdefibrillation sowie der Sensibilisierung von Grundschülern für den Notfall.

Weitere Informationen:

Anna Eberchart

Björn Steiger Stiftung
Petristraße 12
71364 Winnenden
T +49 7195-30 55-215
F +49 7195-30 55-912
E a.eberchart@steiger-stiftung.de
H www.steiger-stiftung.de
13.12.2017
87 AED-Geräte im „Herzsicheren Landkreis Freudenstadt“
Heute wurde der 87. AED-Standort (Automatisierter Externer Defibrillator) im Landkreis Freudenstadt offiziell eingeweiht. Das Gerät befindet sich am Musbacher Bürgerhaus und steht ab sofort für den Notfall einsatzbereit. Der plötzliche Herztod ist mit knapp 100.000 Opfern jährlich die häufigste Todesursache in Deutschland. Viele Betroffene hätten eine Chance, wenn sofort mit der Herzdruckmassage und dem Einsatz eines AED-Geräts geholfen würde.

In einem einzigartigen Pilotprojekt stattet die Björn Steiger Stiftung in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden den Landkreis Freudenstadt flächendeckend mit den überlebenswichtigen Geräten aus und bietet zudem Kurse für die Bevölkerung zur Reanimation an. Große Unterstützung erfährt das Projekt nicht nur von den Gemeinden, sondern auch von örtlichen Unternehmen, Vereinen und Institutionen, die sich finanziell beteiligen oder sich als Standortpartner zur Verfügung stellen.

Bei der Übergabe in Musbach waren Christoph Gerber, Leiter des Baurecht- und Ordnungsamtes der Stadt Freudenstadt, Michael Müller, Projektleiter der Björn Steiger Stiftung, Bernd Keppler, Vorstand der Irene-Kaufmann-Stiftung und Joachim Böhm, Ortsvorsteher Musbachs und ebenfalls Vorstand der Irene-Kaufmann-Stiftung, anwesend. Er weiß: „Leben retten ist kinderleicht! In meiner Funktion als Ortsvorsteher kann ich sagen, dass ich mich freue, Musbach versorgt zu wissen und freue mich auf die Schulung, die im kommenden Jahr für alle Musbacher angeboten wird. Im Namen der Irene-Kaufmann-Stiftung kann ich sagen, dass wir diese Anschaffung nur allzu gerne unterstützen.“

Neben den AED-Geräten (hier finden Sie die Standorte im Landkreis) sowie den Schulungen für die Bevölkerung haben auch die Projekte „Sani Sanelli“ und „Retten macht Schule“ Einzug in den Landkreis gefunden. Diese runden das Landkreisprojekt ab, indem bereits die Kleinsten das richtige Verhalten im Notfall üben und Schüler ab den siebten Klassen lernen, wie die Herzdruckmassage und der Einsatz eines AED-Geräts funktioniert.

2017 wurden im Landkreis Freudenstadt 87 AED-Geräte verfügbar gemacht, über Schulungen mehr als 600 Menschen in der Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Einsatz eines Defibrillators geschult, 6 weiterführende Schulen mit einem "Retten-macht-Schule"-Lehrpaket versorgt und über 300 Grundschüler gelehrt, wie man einen Notruf absetzt.


Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung der bundesweit kostenfreien Notrufnummer 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen, Aufbau der Luftrettung oder die Einführung der kostenlosen Handyortung bei Notruf. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Frühgeborenentransport, der Breitenausbildung in Wiederbelebung und Frühdefibrillation sowie der Sensibilisierung von Grundschülern für den Notfall.

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Anna Eberchart

Björn Steiger Stiftung
Petristraße 12
71364 Winnenden
T +49 7195-30 55-215
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06.12.2017
Herzsicheres Heidelberg: „Retten macht Schule“ am Heidelberg College
Das Heidelberg College nimmt an dem Projekt „Retten macht Schule“ der Björn Steiger Stiftung teil. Schüler ab der siebten Klasse sind physisch und psychisch in der Lage die Herzdruckmassage durchzuführen, ein AED-Gerät (Automatisierter Externer Defibrillator) einzusetzen und somit im Falle eines Herz-Kreislauf-Stillstands Leben zu retten. Aus diesem Grund stattet die Björn Steiger Stiftung weiterführende Schulen mit einem Übungspaket aus. Das Heidelberg College erhielt 15 Übungspuppen, Schulungsmaterial, einen Übungs-AED und ein einsatzbereites AED-Gerät, welches sich nun zentral im Eingangsbereich des Jungeninternats befindet. Zudem wird der Medizinpädagoge der Stiftung dem Kollegium eine Initialschulung anbieten.

Die Kommunikationsagentur mangler+noller sponsern das Projekt mit 6.000 Euro. „Jeder kann Lebensretter sein, deshalb unterstützen wir die Björn Steiger Stiftung bei ihrem Projekt ,Retten macht Schule’. Wir freuen uns sehr, dass das Heidelberg College nun über einen Defibrillator und langjährige Schulungsmöglichkeiten zur Wiederbelebung verfügt, denn dieses Wissen sollte frühestmöglich an Schüler vermittelt werden können“, so Esther Mangler, Geschäftsführerin von mangler+noller. Stadtrat Pfisterer war ebenfalls bei der Präsentation anwesend und freute sich über das Engagement aller Beteiligten. „Bei vielen liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs Jahre zurück und das Gelernte ist dann einfach nicht mehr präsent. Deswegen ist es sinnvoll die Herz-Lungen-Wiederbelebung im Rahmen des Schulunterrichts regelmäßig zu wiederholen.“

Seit März dieses Jahres stattet die Björn Steiger Stiftung die Stadt Heidelberg mit öffentlich zugänglichen Laien-Defibrillatoren aus und macht die Stadt auf diese Weise herzsicher. Kostenlose Schulungen für jede Altersgruppe, wie „Retten macht Schule“, runden das Projekt ab und sensibilisieren die Bevölkerung für Erste-Hilfe-Maßnahmen.


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Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung der bundesweit kostenfreien Notrufnummer 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen, Aufbau der Luftrettung oder die Einführung der kostenlosen Handyortung bei Notruf. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Frühgeborenentransport, der Breitenausbildung in Wiederbelebung und Frühdefibrillation sowie der Sensibilisierung von Grundschülern für den Notfall.

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Kontakt

 
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Pressesprecherin
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Lisa Tomaschko
Öffentlichkeitsarbeit
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Björn Steiger Stiftung
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