Presse

 
Winnenden/Berlin, 22.07.2019
Björn Steiger Stiftung zu aktuellen Plänen des Gesundheitsministers Jens Spahn

Reform der Notfallversorgung: ein wichtiger Schritt, aber noch längst nicht genug


Die Björn Steiger Stiftung, die sich bundesweit für eine bessere Notfallhilfe einsetzt, unterstützt aktuelle Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hinsichtlich seiner geplanten Reform der Notfallversorgung. „Wir begrüßen das Vorhaben von Herrn Spahn, die Notrufnummer 112 und die Nummer 116 117 für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter einem Dach bearbeiten zu lassen, wie wir es schon gefordert hatten“, sagt Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung. Dies sei ein wichtiger Schritt dahin, Patienten in einem bisher unübersichtlichen Gesundheitssystem besser zu lotsen und sie mehr an die Hand zu nehmen. Darüber hinaus würden auch Rettungskräfte entlastet. Denn so könnte direkt am Telefon entschieden werden, ob ein Notfall vorliege und Rettungskräfte ausrücken müssten oder ob ein Arztbesuch für den Pateinten ausreiche beziehungsweise der Arzt mit dem Fahrdienst zum Patienten komme. In der Folge würden Rettungskräfte bei echten Notfällen keine wertvolle Zeit verlieren. „Mit Jens Spahn haben wir endlich einen Bundesgesundheitsminister, der dringend nötige Veränderungen im Rettungswesen auf den Weg bringen will“, betont Steiger.

Die Björn Steiger Stiftung stellt aber klar: Was nun passieren soll, reicht bei weitem nicht aus. Im Rettungsdienst ist noch viel mehr Handlungsbedarf, wie die Stiftung auf dem kürzlich von ihr organisierten Kongress „Wege zum Rettungsdienst der Zukunft“ in Berlin herausstrich. So fehlen bundesweit einheitliche Qualitätsstandards, aktuell klaffen zwischen einzelnen Bundesländern – und sogar zwischen einzelnen Regionen innerhalb eines Bundeslands – große Qualitätslücken. Wer plant die Rettung vor Ort? Wer passt auf, dass Hilfsfristen eingehalten werden und Rettungswagen und -hubschrauber einsatzbereit sind? Wie systematisch und standardisiert laufen Notrufabfragen bei den Leitstellen? All dies sind Beispiele für fehlende bundesweite Regeln. „Dabei muss sich der Patient darauf verlassen können, dass er im Notfall überall, egal zu welcher Uhrzeit, gleich gut versorgt wird“, sagt Präsident Steiger. „Nur dann hat er überall gleich hohe Überlebenschancen. Hiervon sind wir weit entfernt.“ Aktuell sei Überleben eine Frage des Bundeslands oder des Landkreises – und damit des Wohnorts und des Zufalls.

Nach Ansicht der Björn Steiger Stiftung ist es daher mit der gemeinsamen Bearbeitung der Nummern 112 und 116 117 und weiteren kleineren Eingriffen nicht getan. Nötig sind in die Tiefe gehende Strukturänderungen des Rettungsdiensts: Gesetzliche Grundlagen, Aus- und Fortbildung, standardisierte Notrufabfragen, Patientenversorgung, Datenerfassung, Qualitätskontrollen – das alles muss nach bundesweit einheitlichen Standards erfolgen, fordert die Stiftung. Denn nach wie vor bestimmen föderale und kleinteilige Strukturen den deutschen Rettungsdienst – und erschweren eine überfällige Grundreform im Sinne des Patienten. Das Thema Notruf sei ein gutes Beispiel, hebt Steiger hervor: Hierzulande gebe es 241 Integrierte Leitstellen, die Notrufe annehmen und Rettungsmittel ausrücken lassen. In anderen Ländern seien es deutlich weniger, die gut aufeinander abgestimmt, mit weniger Bürokratie und mit nötiger Effizienz arbeiteten. „Das muss auch hier passieren“, fordert Steiger.


Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung des bundesweit einheitlichen und kostenfreien Notrufs 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen und der Aufbau der Luftrettung. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Kampf gegen den Herztod, der Breitenausbildung in Wiederbelebung, der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für den Notfall, dem Frühgeborenentransport und der Alarmierung von Ersthelfern per App.

Weitere Informationen:

Tobias Langenbach

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