Presse

 
Berlin, 02.07.2019
Überleben darf keine Frage des Zufalls sein / Fachtagung in Berlin am 2. und 3. Juli

Fachkongress sucht nach „Wegen zum Rettungsdienst der Zukunft“

Steigende Einsatzzahlen bei wachsendem Personalmangel, sehr gute, aber auch alarmierend schlechte Notfallversorgung in einigen Regionen und Patienten, die ohne Lotsen im Gesundheitssystem auf sich allein gestellt sind: Der Rettungsdienst in Deutschland braucht Hilfe. Wo er steht, wo er hinmuss und wie er dort hinkommt – damit befassen sich heute und morgen Experten der verschiedensten Fachrichtungen auf dem Kongress „Wege zum Rettungsdienst der Zukunft“ in Berlin. Die Björn Steiger Stiftung, die vor 50 Jahren den Grundstein für ein modernes Rettungswesen legte, hat den Kongress organisiert. „Mit der Zeit wurde unsere Stiftung zum Motor und Schrittmacher der Notfallhilfe in Deutschland. Das ist sie bis heute, wie der Kongress zeigt“, sagt Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung. Missstände aufzeigen, Forderungen stellen, aber auch konstruktiv mit anderen Lösungen erarbeiten und Wege finden – all dies gehöre dazu, so Steiger.

Eine zentrale Forderung des Kongresses: Strukturen, die sich in Teilen Deutschlands und im Ausland bewähren und den Rettungsdienst effizienter machen, sollen bundesweit einheitlich gelten. Aktuell klaffen zwischen den einzelnen Bundesländern – und sogar zwischen einzelnen Regionen innerhalb eines Bundeslands – große Qualitätslücken. Wer plant, wie Rettung vor Ort organisiert ist? Wer passt auf, dass Hilfsfristen eingehalten werden und sogenannte Rettungsmittel wie Rettungswagen und -hubschrauber einsatzbereit sind? Wie systematisch und standardisiert läuft die Notrufabfrage bei den Leitstellen? All dies sind Beispiele für fehlende bundesweite Regeln. „Der Patient muss sich darauf verlassen können, dass er im Notfall vom Rettungsdienst überall, egal zu welcher Uhrzeit, gleich gut versorgt wird“, sagt Ulrich Schreiner, Stiftungs-Geschäftsführer im Bereich Rettungsdienst. Nur dann habe der Patient überall gleich hohe Überlebenschancen. Hiervon sei man aber noch weit entfernt. „Überleben darf keine Frage des Bundeslands oder des Landkreises – und damit des Zufalls – sein“, so Schreiner.

Das Kongressprogramm ist vielfältig: Thematisiert wird unter anderem Rettungsdienst in Dänemark, in den Niederlanden und in Österreich. Während in den ersten beiden Ländern Rettungskräfte zentralisierter und mit mehr IT-Unterstützung arbeiten als in Deutschland, werden in Österreich Anrufer von den Leitstellen direkt an die richtigen Anlaufstellen weitergeleitet. Nach Ansicht der Björn Steiger Stiftung kann Deutschland von diesen Beispielen lernen. Auch der Punkt Innovationen im Rettungsdienst spielt beim Kongress eine wichtige Rolle. So sprechen die Referenten unter anderem über das Einfliegen von Spezialisten zum Patienten, über Telemedizin und über dynamische Steuerung von Einsatzkräften. Fest eingeplant ist auch eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus der Politik. Denn es gilt, auf dem Kongress erarbeitete Forderungen und Lösungen schnell umzusetzen. Dafür müssen politisch die Grundlagen geschaffen werden. „Nur wenn Politiker und Akteure im Rettungsdienst zusammenarbeiten, können wir die Notfallhilfe effektiv voranbringen“, sagt Schreiner.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Relevanz des Fachkongresses vorab in einem Grußwort betont. Das Stiftungssymbol, der Steiger-Stern, symbolisiere mit seinen sieben ungleichen Strahlen Flexibilität sowie den Willen zur Veränderung, so Minister Spahn. Bis heute sei dieser Wille auch im Rettungswesen unverändert stark, was der Blick in das Tagungsprogramm zeige. Der Gesundheitsminister kündigte ferner an, dass mit gemeinsamen Notfallleitstellen und integrierten Notfallzentren künftig Notfälle bedarfsgerechter gesteuert werden sollen.


Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung des bundesweit einheitlichen und kostenfreien Notrufs 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen und der Aufbau der Luftrettung. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Kampf gegen den Herztod, der Breitenausbildung in Wiederbelebung, der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für den Notfall, dem Frühgeborenentransport und der Alarmierung von Ersthelfern per App.

Weitere Informationen:

Tobias Langenbach

Björn Steiger Stiftung
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