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Winnenden, 19.09.2018

45 Jahre nach der bundesweiten Einführung: Björn Steiger Stiftung fordert Verbesserung des Notrufs

„Wo genau ist der Notfallort? Ist die Person ansprechbar? Nein? Atmet sie? Nein? Kein Puls tastbar? Dann beginnen wir mit der Wiederbelebung.“ Wer den Notruf wählt, muss sich auf die richtigen Fragen und Anweisungen der Leitstelle verlassen können. Wie umfassend dies geschieht, ist aber nicht überall gleich. Einheitliche Standards in den bundesweit 278 Leitstellen fehlen. Die Björn Steiger Stiftung fordert die Politik daher auf, bundesweit für ein klar definiertes, systematisches Abfrageverfahren zu sorgen. „Leitstellen mit aufeinander abgestimmten Fragen und Anweisungen bieten Anrufern Orientierung“, sagt Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung. „Sie nehmen den Anrufer gewissermaßen an die Hand und führen ihn durch die schwierige Notsituation. Das spart Zeit – und kann Leben retten.“

Teilweise wird mit standardisierten Abfrageverfahren schon gearbeitet, beispielsweise in Niedersachsen, Brandenburg, Berlin, Hamburg und in der Region Bodensee-Oberschwaben. In Niedersachsen ist die flächendeckende Einführung solcher Verfahren sogar in einem entsprechenden Gesetz festgeschrieben. Oft genug fehlen sie aber. Auch kommt es je nach Tageszeit und personeller Besetzung der Leitstelle vor, dass Notrufe ohne Abfragehilfe bearbeitet werden. Das führt zu Unterschieden hinsichtlich der Bearbeitungsdauer und der Wahl des Rettungsmittels. „Wie gut und schnell geholfen wird, hängt damit auch von Zufallsfaktoren wie dem Wohnort ab“, sagt Steiger. Das sei nicht hinnehmbar. Der Notruf brauche bundesweit gleich hohe Qualitätsstandards.

Die Stiftung weist darauf hin, dass ein systematisches Abfragesystem auch Vorteile für das Rettungspersonal hat. Leitstellenmitarbeiter haben ein effektives Werkzeug an der Hand, um schnell den Überblick über eine Notlage zu bekommen und richtig helfen zu können. Das Rettungsdienstpersonal kann sich auf dem Weg zum Einsatz durch die detaillierte Weitergabe aller Informationen gut vorbereiten.

Die Björn Steiger Stiftung nimmt die Politik in die Pflicht: Der Bund muss einheitliche Vorgaben machen. Danach muss er sicherstellen, dass die Bundesländer, in deren Zuständigkeit das Rettungswesen fällt, die neuen Regeln einhalten.

Der Notruf ist ein Kernthema der Björn Steiger Stiftung, die sich seit fast 50 Jahren der Verbesserung der Notfallhilfe in Deutschland verschrieben hat. Stiftungsgründer Dr. h. c. Siegfried Steiger war der erste, der sich für eine zentrale Notrufnummer stark machte. Nach intensiven Bemühungen verklagte er im Juli 1973 das Land Baden-Württemberg und die Bundesrepublik Deutschland auf Einführung der Notrufnummer. Er verlor den Prozess, der Druck der Medien und der Öffentlichkeit wurde aber größer. Am 20. September 1973 beschlossen Bund und Länder, den Notruf 110/112 bundesweit flächendeckend einzuführen.


Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung der bundesweit kostenfreien Notrufnummer 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen, Aufbau der Luftrettung oder die Einführung der kostenlosen Handyortung bei Notruf. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Frühgeborenentransport, der Breitenausbildung in Wiederbelebung und Frühdefibrillation sowie der Sensibilisierung von Grundschülern für den Notfall.

Weitere Informationen:

Anna Eberchart

Björn Steiger Stiftung
Petristraße 12
71364 Winnenden
T +49 7195-30 55-215
F +49 7195-30 55-912
E a.eberchart@steiger-stiftung.de
H www.steiger-stiftung.de