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Winnenden, 11.11.2019
Vor zehn Jahren startete „Retten macht Schule“ in Berlin

Björn Steiger Stiftung bildete fast 290.000 Schüler zu Lebensrettern aus

Rund 288.000 Schüler sind nach Einschätzung der Björn Steiger Stiftung im Rahmen des Projekts „Retten macht Schule“ zu Lebensrettern ausgebildet worden. Das ist die Bilanz des Stiftungsprojekts nach genau zehn Jahren. Die ausgebildeten Schüler können nun Betroffenen im Falle eines Herzstillstands effektiv Erste Hilfe leisten. Denn sie wissen unter anderem, wie sie eine Herzdruckmassage starten und einen Laien-Defibrillator (AED = Automatisierter Externer Defibrillator) zum Einsatz bringen. „Die hohe Zahl der ausgebildeten Schüler belegt, dass unsere Initiative über die Jahre große Zustimmung erfahren hat“, sagte Melanie Schraml, Projektleiterin von „Retten macht Schule“. „Uns ging und geht es stets darum, gerade auch jungen Menschen zu zeigen, dass im Notfall jeder helfen kann.

Die Idee für „Retten macht Schule“ wurde im Jahr 2007 geboren. Nach zweijähriger Planungsphase startete das Pilotprojekt am 12. November 2009 an weiterführenden Schulen in Berlin. Insgesamt 81 Berliner Schulen machten damals in der Erprobungsstufe mit. Nur ein paar Monate später ging es im März 2010 in Mecklenburg-Vorpommern los. Nach und nach kamen weitere Bundesländer hinzu: Baden-Württemberg 2014 sowie Hessen und Bayern 2016. 2018 begannen erste Gespräche für eine Projektumsetzung in Rheinland-Pfalz. Dort stemmt die Björn Steiger Stiftung das Projekt zusammen mit ihren Partnern. Mit dabei ist unter anderem das Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz und die Stiftung Paula Wittenberg. Aktuell hat die Björn Steiger Stiftung bundesweit mit bereits 663 Schulen zusammengearbeitet. „Hier ist aber noch längst kein Ende in Sicht“, sagte Schraml. So sei beispielsweise durch einen Kooperationsvertrag im April dieses Jahres vereinbart worden, „Retten macht Schule“ in Rheinland-Pfalz an mehr als 200 weiterführende Schulen zu bringen. Perspektivisch sei dann zusammen mit Partnern die flächendeckende Umsetzung im ganzen Bundesland geplant.

Das Konzept von „Retten macht Schule“ ist eingängig: Im ersten Schritt bringen Mitarbeiter der Stiftung den Lehrkräften an weiterführenden Schulen Wiederbelebungstechniken wie die Herzdruckmassage und die Anwendung eines Laien-Defibrillators bei. Im zweiten Schritt können die Lehrer ihr Wissen über Reanimation dann eigenständig an ihre Schüler weitergeben. Teilnehmende Schulen verpflichten sich im Rahmen des Projekts, das Thema Wiederbelebung für mehrere Jahre mit in den Lehrplan aufzunehmen. Dafür erhalten sie Übungspuppen, ein Handbuch sowie ein Übungs-AED-Gerät. Den Schulen wird außerdem ein einsatzbereites AED-Gerät zur Verfügung gestellt, das gut zugänglich im Schulgebäude für den Notfall bereitsteht.

Nach Ansicht der Björn Steiger Stiftung ist es besonders wichtig, gerade junge Menschen behutsam an das Thema Wiederbelebung heranzuführen. Denn laut einer Studie der Uniklinik Rostock sind bereits Heranwachsende ab der siebten Klasse in der Lage, einen Erwachsenen im Falle eines Herzstillstands zu reanimieren. Außerdem haben Jugendliche in diesem Alter der Untersuchung zufolge weniger Hemmungen beim Thema Erste Hilfe als erwachsene Menschen. Das heißt konkret: Sie machen sich weniger Gedanken darum, ob sie etwas falsch machen können. Stattdessen packen sie in einer Notlage an und starten dementsprechend schnell mit der Wiederbelebung. Betroffene und Ersthelfer gewinnen auf diese Weise wertvolle Zeit. All dies waren und sind wichtige Erkenntnisse, die „Retten macht Schule“ voranbringen.

Dass das Thema Wiederbelebung brisant ist, belegen Zahlen: Rund 100.000 Menschen fallen dem Herztod pro Jahr allein in Deutschland zum Opfer. Nach Eintreten des Herzstillstands sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um zehn Prozent, wenn überhaupt keine Erste Hilfe erfolgt. Demgegenüber liegt die Überlebenschance aber bei realistischen 50 bis 70 Prozent, wenn Ersthelfer sofort nach dem Stillstand mit einer Herzdruckmassage beginnen und ein Laien-Defibrillator innerhalb der ersten drei Minuten zum Einsatz kommt. Solch ein AED-Gerät kann mithilfe von Stromimpulsen und in Kombination mit einer Herzdruckmassage ein aus dem Takt geratenes Herz wieder in den richtigen Rhythmus bringen.

Finanziert wird „Retten macht Schule“ seit jeher durch Spenden. Häufig sind es Unternehmen, die sich vor Ort für eine gute und nachhaltige Sache engagieren. Immer wieder sind aber auch Privatpersonen dabei, die durch ihre finanzielle Hilfe einen Beitrag zur Lebensrettung leisten. „Wir freuen uns über jeden Unterstützer, der uns dabei hilft, für die Retter von morgen zu sorgen“, sagt Schraml. Mehr Informationen über das Projekt sowie über Unterstützungs- und Teilnahmemöglichkeiten sind auf der Website der Stiftung (www.steiger-stiftung.de/initiativen/kampf-dem-herztod/retten-macht-schule) zu finden.


Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung des bundesweit einheitlichen und kostenfreien Notrufs 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen und der Aufbau der Luftrettung. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Kampf gegen den Herztod, der Breitenausbildung in Wiederbelebung, der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für den Notfall, dem Frühgeborenentransport und der Alarmierung von Ersthelfern per App.

Weitere Informationen:

Tobias Langenbach

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