Presse

 
Winnenden, 28.02.2020
Björn Steiger Stiftung äußert sich zum Coronavirus

Bei steigenden Fallzahlen von Covid-19 drohen Engpässe im Rettungsdienst

Mit der steigenden Zahl von Fällen der Lungenkrankheit Covid-19 in Deutschland wird der Rettungsdienst wahrscheinlich in absehbarer Zeit unter erheblicher Mehrbelastung stehen“, mahnte Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung, als Reaktion auf die Häufung von Verdachtsfällen in weiteren Bundesländern. Heute könne der Rettungsdienst die aktuelle Zahl der Verdachtsfälle noch ohne große Auswirkung auf andere echte Notfallpatienten verkraften. Problematisch sei, dass der Rettungsdienst für diese „Taxi-Fahrten“ von Patienten dauerhaft eigentlich gar nicht zuständig ist. Mangels Alternativen stehe aber aktuell kein anderes Transportmittel zur Verfügung und für viele Verdachtsfälle von an Coronaviren Erkrankten werde der Rettungsdienst zum Transport alarmiert. Das ist eine vermeidbare Ressourcenbelastung in der Notfallversorgung. „Wegen dieser nicht notfallrelevanten Einsätze steht das Rettungsfahrzeug in dieser Zeit für einen echten Notfalleinsatz nicht zur Verfügung. Damit können sich zukünftig unnötigerweise schnell Engpässe für den Rettungsdienst ergeben. Über diese sich abzeichnende Entwicklung muss jetzt diskutiert und Maßnahmen erarbeitet werden, bevor es zu einem ernsten Problem wird“, erläuterte Steiger.

Die Björn Steiger Stiftung fordert dringend eine Diskussion über neue Handlungsempfehlungen für den Transport dieser Patientengruppe. Um die Gefahr eines vermeidbaren Kollapses im Rettungsdienst zu minimieren, müssen Patienten mit Verdacht auf eine Infektion in alternativen Fahrzeugen transportiert werden. Da diese Patienten sitzend und nicht liegend transportiert werden können, ist im Prinzip ein einfacher PKW ausreichend. Dieser kann anschließend zeitunkritisch desinfiziert werden.

Freiwillige, wie etwa Sanitäter oder Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren, könnten die Transporte anstelle des Rettungsdienstes durchführen und so entlastend wirken. Diese Freiwilligen müssten mit Schutzanzügen ausgestattet und über die richtigen Verhaltensweisen im Umgang mit Covid-19-Patienten aufgeklärt worden sein, bevor sie den Rettungsdienst derart unterstützen. Eine mögliche Zertifizierung solcher freiwilligen Helfer durch die zuständigen Behörden sollte in der Diskussion in Betracht gezogen werden. Eine solche Unterstützungseinheit muss aber rechtzeitig vor dem Ansteigen der Verdachtsfälle strukturiert und aufgebaut werden. Daher sollten die Bundesländer diesen Ansatz jetzt mit in ihre Planungen aufnehmen. Diesbezüglich hat sich die Björn-Steiger-Stiftung schriftlich an alle zuständigen Ministerien gewandt.

Das Rettungsdienstpersonal und die Rettungsmittel müssen zum gegenwärtigen Zeitpunkt von Verdachtsfällen des Coronavirus entlastet werden, um eine krisenhafte Zuspitzung in der Rettungskette zu verhindern“, sagte Dr. Stefan Lührs, Leitender Notarzt. „Notärzte und Rettungsdienstpersonal sind so gut wie möglich auf die Virusfälle vorbereitet, allerdings sind Entlastungen in dieser Lage notwendig“, schloss sich Dr. Roland Huf, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM) an. Beide Experten befürworteten die Handlungsempfehlung der Björn Steiger Stiftung.

Grundsätzlich gilt, dass Personen, die Sorge haben, an Covid-19 erkrankt zu sein, sich gemäß der Handlungsempfehlung des Bundesgesundheitsministeriums beim zuständigen Gesundheitsamt – und nicht bei der 112 – melden. Die Björn Steiger Stiftung verweist mit Nachdruck darauf, dass ein Verdacht auf die Infektion mit dem Coronavirus kein Fall für den Rettungsdienst und die Notrufnummer 112 sei. „Die Bevölkerung muss zunächst überlegen, ob überhaupt ein Coronaverdacht vorliegen könnte. Dann sollten zunächst telefonisch der Hausarzt, die 116117 oder auch die örtlichen Gesundheitsämter kontaktiert werden, ob und wo eine Testung sinnvoller Weise durchzuführen ist. Aber auch der beste Test nützt nichts, wenn man sich nicht entsprechend verhält. Daher sei an dieser Stelle nochmal auf das regelmäßige Hände waschen, das Vermeiden von Kontakt mit kranken Personen und den Verbleib zu Hause hingewiesen, sollten Krankheitssymptome auftreten“, rät Dr. Carola Holzner, Notärztin und Leitende Oberärztin der Universitätsmedizin Essen.

Die Björn Steiger Stiftung setzt sich seit über 50 Jahren für die Verbesserung der Notfallhilfe ein. Mit ihrem Engagement als unabhängige Organisation nimmt sie sich auch der Belange des Rettungsdienstes an. Im Juli 2019 veranstaltete die Stiftung einen Kongress zur Zukunft des Rettungsdienstes und thematisierte dabei mit Expertenvorträgen und Diskussionsrunden verschiedene Probleme im deutschen Rettungswesen.


Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung der bundesweit einheitlichen und kostenfreien Notrufnummern 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen und der Aufbau der Luftrettung. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Kampf gegen den Herztod, der Breitenausbildung in Wiederbelebung, der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für den Notfall und dem Frühgeborenentransport.

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