Presse

 
Leipzig, 17.11.2017

100. Fahrt für Leipziger Baby-Notarztwagen

100 Transporte, 12.141 km und gerade mal 8 Monate im Dienst: Pünktlich zum Weltfrühchentag hat der Leipziger Baby-Notarztwagen „Felix“ seine 100. Fahrt hinter sich gebracht. Da in Leipzig viele Verlegungen zwischen Uniklinikum und Herzzentrum anfallen, ist das Spezialfahrzeug für Frühchen viel unterwegs. Auch aus entfernteren Geburtskliniken in ganz Sachsen und darüber hinaus hat er schon kleine Patienten nach Leipzig gebracht. So zum Beispiel aus Rodewisch, Erfurt, Meissen, Torgau, Herzberg, Dresden, Zwickau, Cottbus, Risa, Wurzen, Halle und im August sogar aus Ljubljana (Slowenien).

Wie ein Einsatz mit dem Baby-Notarztwagen verläuft, erfahren Sie in der folgenden Geschichte vom Herzzentrum Leipzig.

„Blaues Baby“ Benjamin fährt mit Blaulicht ins Herzzentrum

Die junge Mutter betrachtet glücklich ihren vor wenigen Stunden geborenen ersten Sohn Benjamin. Er liegt friedlich und ruhig atmend im Arm seiner Mutter auf der Wochenbettstation in einer Geburtsklinik im Leipziger Umland. Die Geburt war schweißtreibend und anstrengend, aber unproblematisch. Benjamin hat sofort laut geschrien und brachte stolze vier Kilogramm auf die Waage. Nun erholen sich Mutter und Kind von den Strapazen.

Die Hebamme betritt das Zimmer und macht plötzlich ein besorgtes Gesicht. Die junge Mutter erschrickt und fragt, was so beunruhigend sei. Die leichte Blauverfärbung der Haut von Benjamin gefalle ihr nicht, sagt die Hebamme. Die hinzugerufene Kinderärztin erklärt, dass sie nun einige Untersuchungen mit Benjamin machen müsse und nimmt ihn mit auf die Neonatologie. Das ist die Station für Frühchen und kranke Neugeborene. Auf einmal geht alles ganz schnell. Benjamin wird verkabelt und mit Ultraschall untersucht. Er bekommt Blutentnahmen und Infusionen. Die Bewegungen der Ärzte und Schwestern sind flink, aber nicht hektisch. Benjamins Haut wird immer blauer und dunkler. Die Ärztin erklärt den jungen Eltern, dass Benjamin einen angeborenen Herzfehler hat. Dieser ist so kompliziert, dass man ihn auch während der Schwangerschaft oft nicht erkennen kann. Nun wird die Situation für Benjamin lebensbedrohlich.

Bei den Kollegen auf der Intensivstation der Kinderkardiologie im ca. 30 km entfernten Herzzentrum Leipzig klingelt das Telefon. Die Kollegin in der Geburtsklinik beschreibt Benjamins Symptome. Der Kinderkardiologe bestätigt den Verdacht auf Benjamins Diagnose: Eine Vertauschung der großen Hauptschlagadern, die aus dem Herzen kommen. Benjamin muss schleunigst ins Herzzentrum.

Der Kinderkardiologe ruft in der Rettungsleitstelle an und fordert den Baby-Notarztwagen an. Nur eine halbe Stunde später steht „Felix“ an der Rettungseinfahrt der ländlichen Geburtsklinik. Die Kollegen der Kinderkardiologie legen Benjamin in den Transportinkubator und laden diesen in den vorgewärmten Baby-Notarztwagen. Dort wird der Inkubator mit dem blauen Baby Benjamin federnd fixiert. Benjamins Zustand ist kritisch aber stabil. Alle Infusionen und Kabel können am Baby bleiben und werden an die Anschlüsse im Wagen angeschlossen. Auch Sauerstoff ist in jeder gewünschten Dosierung für das Baby im Wagen vorhanden. Ein Beatmungsgerät steht bereit, falls Benjamin keine Luft mehr holen sollte. Der Baby-Notarztwagen sieht aus wie eine fahrende Intensivstation. Durch spezielle Dämpfung im Wagen ist Benjamin vor lauten Geräuschen geschützt.

Nach einer halben Stunde Blaulicht-Fahrt wird Benjamin auf der Kinderintensivstation des Herzzentrums Leipzig in sein neues Bettchen gelegt. Seine Haut ist bedrohlich blau, aber er atmet ruhig. Jetzt erhält er den dringend benötigten Eingriff per Herzkatheter. Dafür bekommt er ein Schlaf- und Schmerzmittel. Durch diesen Eingriff wird eine bessere Mischung des Blutes erreicht. Seine Haut ist nun nur noch etwas blau. Die Sauerstoffsättigung ist ausreichend gut. In stabilem Zustand und Kreislauf wartet Benjamin nun auf seine große Herzoperation, die in einer Woche stattfinden wird. Bis dahin kann er täglich mit seiner Mutter kuscheln und das Stillen lernen. Nach der Operation wird Benjamin geheilt sein und normal aufwachsen. Nur durch das rasche Erkennen seines Problems und den unverzüglichen komfortablen Transport mit Technik auf höchstem medizinischen Niveau im Baby-Notarztwagen „Felix“ der Björn Steiger Stiftung war es möglich, dass Benjamin beste Chancen auf ein gesundes Leben hat.


Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung der bundesweit kostenfreien Notrufnummer 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen, Aufbau der Luftrettung oder die Einführung der kostenlosen Handyortung bei Notruf. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Frühgeborenentransport, der Breitenausbildung in Wiederbelebung und Frühdefibrillation sowie der Sensibilisierung von Grundschülern für den Notfall.

Weitere Informationen:

Anna Eberchart

Björn Steiger Stiftung
Petristraße 12
71364 Winnenden
T +49 7195-30 55-215
F +49 7195-30 55-912
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H www.steiger-stiftung.de