Presse

 
Winnenden, 08.07.2019
Lebensretter erhalten Auszeichnung, Bundestagspräsident würdigt Stiftungs-Engagement

Björn Steiger Stiftung begeht Festakt in Winnenden

Die Björn Steiger Stiftung, die sich bundesweit für eine bessere Notfallhilfe einsetzt, feierte im Rahmen eines Festakts den 50. Jahrestag ihrer Gründung. Festredner der Veranstaltung im Winnender Kärcher Auditorium war Dr. Wolfgang Schäuble, Präsident des Deutschen Bundestags. „Sie haben die Notfallrettung in Deutschland revolutioniert“, wandte sich Dr. Schäuble in seiner Rede an die anwesenden Stiftungsgründer Ute und Siegfried Steiger und würdigte deren jahrzehntelanges Engagement. Bürgerschaftliches Engagement entstehe, wenn Missstände entdeckt würden, die der Staat nicht beheben könne. Dann seien engagierte Bürgerrinnen und Bürger gefragt, die Lage zu verbessern. Ute und Siegfried Steiger hätten dies durch Gründung der Björn Steiger Stiftung im Bereich des Rettungswesens gemacht. Und nicht nur das: „Die Notfallhilfe kommt allen zugute“, so Dr. Schäuble weiter. „Sie schließt keinen aus.“

Der achtjährige Björn Steiger wurde am 3. Mai 1969 auf dem Heimweg vom Schwimmbad in Winnenden von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde, bis der Krankenwagen kam. Björn verstarb später beim Transport ins Krankenhaus an einem Schock. Am 7. Juli 1969 gründeten seine Eltern Ute und Siegfried Steiger zusammen mit sieben Freunden die Björn Steiger Stiftung mit dem Ziel, die Notfallhilfe zu verbessern. Bundesweite Notrufnummern 110/112, Notruftelefone am Straßenrand, BOS-Sprechfunk im Rettungsdienst, 24-Stunden-Notarztsystem, Luftrettung – all dies und viel mehr hat das Ehepaar Steiger angestoßen.

Moderiert wurde der Festakt von Dunja Hayali und Jörg Thadeusz. Neben Dr. Schäuble sprachen Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg, Hausherr Hartmut Jenner, der Vorsitzende des Vorstands der Alfred Kärcher SE & Co. KG und Prof. Jürgen Gramke, Vorsitzender des Präsidialrats der Björn Steiger Stiftung. Dr. Eisenmann dankte dem Ehepaar Steiger im Namen der Landesregierung für das, was die Stiftung über die Jahre „in Baden-Württemberg und weit darüber hinaus“ bewegte. Hartmut Jenner betonte gegenüber den Stiftungsgründern: „Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, tausende Leben zu retten. Wer kann das schon von sich behaupten?“ Prof. Gramke stellte in seiner Rede den persönlichen Einsatz des Ehepaars Steiger heraus, das in der Vergangenheit unter anderem Hypotheken aufgenommen und das private Wohnhaus verpfändet hatte, um wichtige Anschaffungen im Rettungsdienst auf den Weg zu bringen.

Beim Festakt standen auch die aktuellen Projekte der Björn Steiger Stiftung im Fokus. Darunter:

- der Baby-Notarztwagen „Felix“, der einen sicheren und schonenden Transport von Frühchen und kranken Säuglingen gewährleistet. „Felix“ ist aktuell an vier aktiven Standorten im Einsatz (Oldenburg, Leipzig, Chemnitz und Halle an der Saale) und kommt meist bei Verlegungsfahrten zwischen Geburts- und Spezialklinik zum Einsatz.

- Verbesserungen im Rettungswesen, wie kürzlich von der Björn Steiger Stiftung auf dem Fachkongress „Wege zum Rettungsdienst der Zukunft“ in Berlin gefordert. Eine zentrale Forderung: Strukturen und Standards, die sich in Teilen Deutschlands und im Ausland bewähren und den Rettungsdienst effizienter machen, sollen bundesweit einheitlich gelten. „Aktuell klaffen zwischen den einzelnen Bundesländern – und sogar zwischen einzelnen Regionen innerhalb eines Bundeslands – große Qualitätslücken, was die Versorgung von Notfallpatienten angeht“, kritisierte Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung, im Gespräch mit Moderatorin Hayali. „Das macht Überleben zu einer Frage des Wohnorts und des Zufalls – hier muss sich etwas ändern, da werden wir dranbleiben“, so Steiger weiter.

- das Auslandsengagement der Björn Steiger Stiftung: Die Stiftung arbeitet mit ihrem Rettungs-Know-how daran, unter anderem den Rettungsdienst in Sri Lanka und in den Karibik-Staaten voranzubringen.Sri Lankas Gesundheitsminister Dr. Rajitha Senaratne sowie der Gesundheitsminister von St. Vincent und den Grenadinen, Robert T.L.V. Browne, betonten gleichermaßen die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit der Björn Steiger Stiftung.

- der Kampf gegen den Herztod: Seit 2001 hat die Stiftung rund 26.000 Laien-Defibrillatoren (AED = Automatisierter Externer Defibrillator) in den Verkehr gebracht. Zusammen mit einer Herzdruckmassage sorgt ein solches Gerät dafür, dass ein aus dem Takt geratenes Herz wieder in den richtigen Rhythmus kommt. Seit 2013 stattet die Stiftung im Rahmen des Projekts „Herzsicher“ ganze Landkreise und Städte mit AED-Geräten aus und schult die Bevölkerung in Sachen Wiederbelebung.

- die Initiative „Mobile Retter“, die seit Februar 2019 ein Projekt der Björn Steiger Stiftung ist. Im Rahmen dieser Initiative erreichen per App alarmierte, ehrenamtliche und qualifizierte Ersthelfer in aktuell elf aktiven Regionen schnell den Notfallort und können mit Wiederbelebung starten, bis der Rettungsdienst eintrifft. 2019 hat das Projekt die 6.000er-Marke der aktiven Helfer überschritten.

Auf dem Festakt verlieh die Björn Steiger Stiftung auch ihren Lebensretterpreis. Mit dem Preis zeichnet die Stiftung Personen aus, die sich um die Lebensrettung verdient gemacht haben. Der Präsidialrats-Vorsitzende Prof. Gramke vergab die Auszeichnung gleich drei Mal: Die Hildesheimerin Simone Simchen verlor im Sommer 2018 ihren Mann bei einem Familienausflug durch Herztod und sammelte anschließend Spenden, damit die Björn Steiger Stiftung am Unglücksort Laien-Defibrillatoren anbringen konnte. Alexandra Lenk-Schiede, Kassenteamleiterin in einem Erfurter „Globus“-SB-Warenhaus, rettete zusammen mit ihrem Team durch Herzdruckmassage und Laien-Defibrillator im Sommer 2018 einen Mann vor dem Herztod. Tobias Gehrlein wurde im Oktober 2017 als Mobiler Retter per App wegen eines Herz-Kreislauf-Stillstands alarmiert. Er eilte zum Unglücksort in der Nähe von Germersheim in Rheinland-Pfalz und startete mit Wiederbelebung, bis der Rettungsdienst eintraf und den Betroffenen versorgte. Lenk-Schiede erhielt den Preis auch stellvertretend für ihr Team, Gehrlein stellvertretend für die ehrenamtlichen Mobilen Retter.

Wir sind alle miteinander sprachlos über das Engagement, das Sie gezeigt haben“, sagte Prof. Gramke bei der Preisübergabe. Er dankte den Preisträgern im Namen der Anwesenden und Betroffenen.


Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung des bundesweit einheitlichen und kostenfreien Notrufs 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen und der Aufbau der Luftrettung. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Kampf gegen den Herztod, der Breitenausbildung in Wiederbelebung, der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für den Notfall, dem Frühgeborenentransport und der Alarmierung von Ersthelfern per App.

Weitere Informationen:

Tobias Langenbach

Björn Steiger Stiftung
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