Stuttgart/Winnenden - Das Medical Intervention Car (MIC) Stuttgart hat seine 1.000. Alarmierung absolviert. Seit dem Start am 2. Dezember 2024 bringt das speziell ausgestattete Einsatzfahrzeug intensivmedizinische Expertise und hochspezialisierte Behandlungsmöglichkeiten direkt zum Notfallort. Das MIC wird rund um die Uhr für ausgewählte zeitkritische und komplexe Notfälle alarmiert. Finanziert wird das Projekt von der Björn Steiger Stiftung.
Für Dr. Martin Breitkopf von der MIC-Projektleitung im Klinikum Stuttgart steht hinter der Zahl von 1.000 Alarmierungen vor allem die Versorgung konkreter Patientinnen und Patienten: „Hinter 1.000 MIC-Alarmierungen stehen unzählige Situationen, in denen Teams vor Ort mit besonders schwer erkrankten oder verletzten Patienten konfrontiert waren.“
Einer dieser Patienten ist Igor Frigelj. Er war am 28. Februar 2026 im Fitnessstudio, als es ihm plötzlich nicht gut ging. „Es kam ein Druck in der Brust auf“, erinnert sich Frigelj. Er ging zum Servicebereich des Fitnessstudios und bat darum den Notruf zu wählen. Den Rest weiß er nur aus Erzählungen. Ein paar Minuten später sei das Rettungsteam gekommen, auch das MIC-Team war schnell vor Ort. „Das waren dann die, die mir das Leben gerettet haben,“ sagt Igor Frigelj. Da die normale Reanimation nicht erfolgreich war, wurde noch vor Ort eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die vorübergehend die Pumpfunktion des Herzens übernommen hat. „Wie stark, die Notwendigkeit ist, dass es solche Fahrzeuge und das Fachärzteteam gibt, habe ich jetzt selbst erlebt“, so Frigelj weiter. Er wünscht sich mehr solcher Spezialfahrzeuge in Deutschland. „Ich kann nur von meiner Seite sagen, dass meine Familie und ich unendlich dankbar sind, dass das MIC Team vor Ort war.“
„Dass wir diesen 1.000. Alarmierung erreichen, zeigt, wie sehr das MIC inzwischen Teil der Versorgungsstruktur geworden ist“, sagt Breitkopf. Einen wesentlichen Erfolgsfaktor sehen die Akteure in der frühen und engen Zusammenarbeit zwischen dem Klinikum Stuttgart, der Feuerwehr Stuttgart, den Rettungsdiensten und -leitstellen und der Björn Steiger Stiftung.
Was ist das Medical Intervention Car (MIC) Stuttgart?
Ziel des MIC ist es, intensivmedizinische Expertise möglichst schnell an den Einsatzort zu bringen. Dafür ist das hoch spezialisierte Einsatzfahrzeug mit intensivmedizinischen Geräten ausgestattet, wie beispielsweise einer Herz-Lungen-Maschine (ECMO), Blut- und Gerinnungsprodukten, Equipment für schwierige Atemwege (auch bei Kindern) oder Sonographie-Geräten (Ultraschall). Besetzt wird das MIC von einem hochqualifizierten interdisziplinären Ärzteteam. Je nach Einsatzart sind Fach- und Oberärzte aus Anästhesiologie, internistischer Intensivmedizin, Neonatologie und Pädiatrie (Kinderheilkunde) mit im Einsatz.
Durch die vollständige Einbindung in die Alarm- und Ausrückeordnung der Stuttgarter Rettungsleistelle werden Rettungsdienst und MIC-Team parallel alarmiert, sobald bestimmte Einsatzstichworte vorliegen. Das spart wichtige Minuten in zeitkritischen Situationen – gerade bei schweren Traumata, Herz-Kreislaufstillständen oder komplexen pädiatrischen Notfällen.
Das MIC wurde dabei von Beginn an nicht nur als zusätzliches Einsatzmittel, sondern auch als wissenschaftliches Projekt konzipiert. Aus den bisherigen Einsätzen ist eine umfangreiche Datenbasis entstanden. Erste Auswertungen zeigen, dass das MIC für ein breites Spektrum zeitkritischer Notfälle eingesetzt wird. Ein erheblicher Teil der Alarmierungen findet dabei außerhalb der regulären Tagesarbeitszeiten statt.
„Mit der 1.000. Alarmierung haben wir eine umfangreiche wissenschaftliche Datenbasis aufgebaut“, erklärt Joachim von Beesten, Geschäftsführer Forschung, Innovation und Sonderfahrzeuge bei der Björn Steiger Stiftung. „Jetzt geht es darum, diese Erfahrungen auszuwerten.“
Erfahrungen für andere Standorte
Die Erfahrungen aus Stuttgart stoßen auch bei anderen Städten und Kliniken auf Interesse. „Dabei geht es zunehmend um konkrete Fragen zur Einführung vergleichbarer Versorgungskonzepte“, so von Beesten.
„Die Einführung eines MIC lässt sich aber nicht auf die Anschaffung eines speziellen Fahrzeugs reduzieren. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus medizinischer Indikation, qualifiziertem Personal, Alarmierung, Ausstattung und gesicherter 24/7-Verfügbarkeit. Gleichzeitig müssen die Voraussetzungen für eine langfristig tragfähige Finanzierung geschaffen werden.“
Ihre Erfahrungen gibt die Björn Steiger Stiftung gerne an interessierte Standorte weiter und unterstützt zugleich die Vernetzung bestehender MIC-Strukturen in Deutschland, unter anderem in Heidelberg, Gießen und Kaiserslautern. Ziel ist es, Erfahrungen zu bündeln und perspektivisch übergreifende Standards zu implementieren.
Eine belastbare Bewertung des Kosten-Nutzen-Verhältnis ist aus Sicht der Stiftung angesichts der aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen – darunter die Reform der Notfallversorgung, begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen sowie zunehmender Kostendruck – besonders wichtig.
Über die Björn Steiger Stiftung:
Die Björn Steiger Stiftung wurde 1969 von Ute und Siegfried Steiger gegründet, nachdem ihr Sohn nach einem Verkehrsunfall an den Folgen unzureichender Notfallversorgung verstarb. Seitdem engagiert sich die Stiftung unermüdlich für die Verbesserung des Rettungswesens in Deutschland. Zu ihren wegweisenden Initiativen zählen unter anderem die Einführung der Notrufnummern 110/112, Gründung und Aufbau der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF) sowie die Einrichtung von Notrufsäulen an Bundes- und Landstraßen. Die Stiftung verfolgt das Ziel, auf Missstände im Bereich der Notfallhilfe aufmerksam zu machen, den öffentlichen Diskurs anzustoßen und mit eigenen Projekten, wie dem Baby-Notarztwagen oder Herzsicher, und konkreten Lösungen zu einer besseren Notfallversorgung beizutragen – so auch 2025 mit der Einreichung einer Verfassungsbeschwerde zur Schaffung einheitlicher Regelungen im Rettungsdienst. Seit 2024 engagiert sich die Stiftung in konsequenter Weiterentwicklung ihrer Geschichte mit einem eigenen Bereich in der Vermeidung von Verkehrsunfällen.
Weitere Informationen unter: www.steiger-stiftung.de
Bildhinweise: © Björn Steiger Stiftung
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