Die Häufung von Extremwetterereignissen stellt Rettungsdienste und ihre Leitstellen vor neue Herausforderungen. Wie Künstliche Intelligenz, datenbasierte Prognosen und simulationsgestützte Planung Leitstellen dabei unterstützen können, Notfälle auch unter Extremwetterbedingungen sicher und effizient zu bewältigen, wurde in einem vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) über drei Jahre geförderten Forschungsprojekt in der Modellregion Lausitz untersucht. Das Projekt ist ein wichtiger Baustein hin zu einer zukunftsfesten Infrastruktur in Deutschland. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bestärken die Björn Steiger Stiftung in ihren Forderungen zur Weiterentwicklung der Leitstellenlandschaft in Deutschland.
Das Forschungsprojekt AIRCIS (Artificial Intelligence in Rescue Chains) wurde mit insgesamt 2.978.272 Euro gefördert, 75 % der Fördersumme kamen vom Bundesministerium für Verkehr. Projektpartner waren das Brandenburgische Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS), die Industrieanlagen Betriebsgesellschaft mbH (IABG), die Brandenburgische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU), das Start-up MOXI und die Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) Cottbus. Die Projektkoordination lag bei der Björn Steiger Stiftung.
Das Projekt zeigt, dass Leitstellen über große Datenmengen verfügen, deren systematische Nutzung durch Künstliche Intelligenz jedoch besser ausgeschöpft werden kann. Im Forschungsprojekt wurden dazu erstmals reale Leitstellendaten, Wetter- und Geodaten sowie Mobilitätsinformationen in einem integrierten Modell zusammengeführt. Die entwickelten KI-basierten Prognosen und Simulationen erlauben es, Einsatzaufkommen, Ressourcenbedarf und Engpässe sowohl im Regelbetrieb als auch bei Extremwetterlagen wie Hitze oder Starkregen vorausschauend abzubilden.
Handlungsempfehlungen für die Notfallversorgung von morgen
Belastbare Szenarien, Frühwarnindikatoren und abgestimmte Einsatzkonzepte wurden im Projekt als wichtige Voraussetzung für eine systematische Planung auch unter extremen Bedingungen identifiziert. KI-gestützte Prognose- und Simulationswerkzeuge ermöglichen hier ein entscheidendes Upgrade: Ressourcen effizienter einsetzen und Reaktionszeiten verbessern. Technisch modern ausgestattete und überregional vernetzte Leitstellen können demnach deutlich resilienter auf außergewöhnliche Lagen reagieren als kleinteilige, heterogene Strukturen. Voraussetzung für eine ganzheitliche Analyse und Steuerung der Rettungsketten sind aber bundesweit harmonisierte Datenmodelle und Schnittstellen.
Die Erkenntnisse zeigen, wie ein digitales Upgrade für die Resilienz der Rettungsketten in der Stadt, auf dem Land und bei Extremwetterlagen wie Hitze oder Hochwasser aussehen muss. Insbesondere in Städten, wo die Auswirkungen des Klimawandels besonders spürbar werden, sieht AIRCIS in Digitalen Zwillingen, simulationsbasierten Trainings und vorausschauender Planung einen entscheidenden Beitrag, um die Versorgung auch unter Stressbedingungen aufrechtzuerhalten.
Der Abschlussbericht des Projekts leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen ab, die weit über die Modellregion hinausreichen: Eine Stärkung und Bündelung der Leitstellenstrukturen, die verbindliche Nutzung datenbasierter Entscheidungsunterstützung, die Integration von Extremwetter- und Klimarisiken in die Einsatzplanung und die Standardisierung von Daten.
Dr. Claudia Elif Stutz, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr: „Projekte wie AIRCIS machen die Rettungskette widerstandsfähiger. Ob in der Stadt, auf dem Land, bei Hitze oder Hochwasser: Das KI‑gestützte Prognose- und Simulationssystem unterstützt Leitstellen bei der gezielten Planung von Ressourcen und hilft somit Menschenleben zu retten."
Die im Projekt entwickelten Ansätze lassen sich auf andere Regionen übertragen. Bund und Länder sind gefordert, die gewonnenen Erkenntnisse in dauerhafte Strukturen, Regelwerke und Förderprogramme zu überführen.
„AIRCIS hat eindrucksvoll gezeigt, dass wir Notfallversorgung neu denken müssen: datenbasiert, vernetzt und resilient gegenüber den Folgen des Klimawandels,“ erklärt Joachim von Beesten, Geschäftsführer der Björn Steiger Stiftung für Innovation, Forschung und Sonderfahrzeuge. „Die Handlungsempfehlungen des Projekts bestätigen unsere langjährigen Forderungen nach leistungsfähigen Leitstellenstrukturen in Deutschland. Jetzt kommt es darauf an, diese Erkenntnisse konsequent in politische Entscheidungen und praktische Umsetzung zu überführen – zum Schutz der Menschen, gerade in urbanen Räumen und bei Extremwetterlagen.“
Die Stiftung bekräftigt vor diesem Hintergrund ihre Forderung nach klaren Mindeststandards, funktionalen Zuständigkeitsräumen und einer stärkeren Zusammenarbeit von Leitstellen über kommunale Grenzen hinweg. Außerdem fordert die Stiftung, dass KI-gestützte Prognose- und Simulationswerkzeuge fester Bestandteil der Leitstellenarbeit werden – nicht nur im Katastrophenfall, sondern auch zur strategischen Personal- und Fahrzeugplanung im Alltag.
Im Abschluss von AIRCIS sieht die Björn Steiger Stiftung einen weiteren substanziellen Beitrag zur Modernisierung der Rettungslandschaft in Deutschland. Die Erkenntnisse dienen als eine belastbare Grundlage, um Leitstellen zukunftsfähig aufzustellen und die Notfallversorgung nachhaltig zu stärken.
Über den mFUND des BMV:
Im Rahmen der Innovationsinitiative mFUND fördert das BMV datenbasierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte für die digitale und vernetzte Mobilität der Zukunft. Die Projektförderung wird ergänzt durch eine aktive fachliche Vernetzung zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Forschung und durch die Bereitstellung von offenen Daten auf der Mobilithek. Weitere Informationen finden Sie unter www.mFUND.de und daten.plus.
Über die Björn Steiger Stiftung:
Die Björn Steiger Stiftung wurde 1969 von Ute und Siegfried Steiger gegründet, nachdem ihr Sohn nach einem Verkehrsunfall an den Folgen unzureichender Notfallversorgung verstarb. Seitdem engagiert sich die Stiftung unermüdlich für die Verbesserung des Rettungswesens in Deutschland. Zu ihren wegweisenden Initiativen zählen unter anderem die Einführung der Notrufnummern 110/112, Gründung und Aufbau der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF) sowie die Einrichtung von Notrufsäulen an Bundes- und Landstraßen. Die Stiftung verfolgt das Ziel, auf Missstände im Bereich der Notfallhilfe aufmerksam zu machen, den öffentlichen Diskurs anzustoßen und mit eigenen Projekten, wie dem Baby-Notarztwagen oder Herzsicher, und konkreten Lösungen zu einer besseren Notfallversorgung beizutragen – so auch 2025 mit der Einreichung einer Verfassungsbeschwerde zur Schaffung einheitlicher Regelungen im Rettungsdienst.
Weitere Informationen unter: www.steiger-stiftung.de


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