Frauen werden im Notfall signifikant seltener reanimiert als Männer – mit potenziell tödlichen Folgen. Anlässlich des Weltfrauentags macht die Björn Steiger Stiftung auf diese gefährliche Ungleichheit aufmerksam und fordert mehr Aufklärung und ein stärkeres Bewusstsein für Herznotfälle bei Frauen.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Frauen bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand signifikant seltener eine Wiederbelebung durch Laien erhalten. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Hemmschwelle, die Herzdruckmassage im Brustbereich einer Frau konsequent durchzuführen.
„Eine Herzdruckmassage rettet Leben – unabhängig vom Geschlecht. Es ist ein Skandal, dass Frauen schlechtere Überlebenschancen haben, weil Ersthelfende zögern, ihre Brust zu berühren“, sagt Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung. „An der Scham darf keine Frau sterben.“
Kostenlose Reanimationskurse
Die Stiftung begegnet diesem Problem aktiv: In bundesweiten Reanimationskursen setzt sie gezielt Übungspuppen – sogenannte Phantome – mit weiblicher Anatomie ein. „Wer nur am männlichen Oberkörper trainiert, ist im Ernstfall unsicher“, sagt Katerina Malliou, Geschäftsführerin der Björn Steiger Stiftung im Bereich HERZSICHER. „Wir müssen diese Hemmungen gezielt abbauen. Jede Sekunde zählt – und jeder Mensch muss den Mut haben, sofort zu helfen.“ Die kostenlosen Kurse sind Teil der Initiative HERZSICHER und können über die Webseite www.herzsicher.de gebucht werden.
Die Initiative der Björn Steiger Stiftung und der Deutschen Herzstiftung bietet Kurse an Schulen sowie für Unternehmen, Vereine und Privatpersonen. Kooperationspartner ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB).
Herzinfarkt bei Frauen wird zu oft spät erkannt
Neben der geringeren Reanimationsquote weist die Stiftung auf Defizite bei der
Herzinfarkt-Erkennung hin. Prof. Dr. Claudia Schmidtke, Sprecherin des Universitären Herzzentrums Lübeck, Professorin für Herzchirurgie sowie stellvertretende Vorsitzende des Präsidialrats der Stiftung, erklärt: „Bei Frauen äußert sich ein Herzinfarkt häufig anders als bei Männern. Neben Brustschmerzen stehen oft Symptome wie Atemnot, Übelkeit oder Schmerzen im Rücken oder Oberbauch im Vordergrund. Gerade deshalb wird der Herzinfarkt bei Frauen noch immer zu häufig zu spät erkannt.“ Sie sieht die Ursachen auch in strukturellen Defiziten der medizinischen Forschung: „Über Jahrzehnte waren Frauen in klinischen Studien unterrepräsentiert. Viele Lehr- und Handlungskonzepte orientieren sich deshalb bis heute primär am männlichen Patienten. Als affiliierte Professorin am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) beschäftige ich mich unter anderem damit, wie solche Gender-Datenlücken mithilfe von KI besser sichtbar gemacht und perspektivisch auch geschlossen werden können.“
Weltfrauentag ist auch ein Tag der medizinischen Gleichberechtigung
Die Björn Steiger Stiftung fordert deshalb mehr gesellschaftliche und medizinische Aufmerksamkeit für Herznotfälle bei Frauen. Steiger betont: „Gleichberechtigung muss auch im Notfall gelten. Frauen haben das gleiche Recht auf schnelle Hilfe und die gleiche Chance zu überleben.“ Prof. Schmidtke ergänzt: „Aufklärung rettet Leben. Wir müssen wissen, dass Herzinfarkte bei Frauen andere Symptome haben können – und dass eine Herzdruckmassage ohne Zögern durchgeführt werden muss. Im Notfall zählt jede Minute.“
Die Botschaft der Stiftung zum Weltfrauentag ist klar: Scham, Unsicherheit und Wissenslücken dürfen nicht mitentscheiden, ob Frauen überleben.
Über die Björn Steiger Stiftung:
Die Björn Steiger Stiftung wurde 1969 von Ute und Siegfried Steiger gegründet, nachdem ihr Sohn nach einem Verkehrsunfall an den Folgen unzureichender Notfallversorgung verstarb. Seitdem engagiert sich die Stiftung unermüdlich für die Verbesserung des Rettungswesens in Deutschland. Zu ihren wegweisenden Initiativen zählen unter anderem die Einführung der Notrufnummern 110/112, Gründung und Aufbau der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF) sowie die Einrichtung von Notrufsäulen an Bundes- und Landstraßen. Die Stiftung verfolgt das Ziel, auf Missstände im Bereich der Notfallhilfe aufmerksam zu machen, den öffentlichen Diskurs anzustoßen und mit eigenen Projekten, wie dem Baby-Notarztwagen oder Herzsicher, und konkreten Lösungen zu einer besseren Notfallversorgung beizutragen – so auch 2025 mit der Einreichung einer Verfassungsbeschwerde zur Schaffung einheitlicher Regelungen im Rettungsdienst.
Weitere Informationen unter: www.steiger-stiftung.de
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