Erste Hilfe Am Kind: Herzstillstand und wiederbelebung

Wichtiger Hinweis:
In diesem Beitrag werden einige Unterschiede zwischen Säuglingen und Kindern gemacht. Als Säuglinge gelten in der Regel Kinder unter einem Jahr beziehungsweise alle Kinder, die noch wie ein „Baby“ aussehen. Mit „Kindern“ sind die Mädchen und Jungen gemeint, die älter als ein Jahr sind beziehungsweise wie ein „Kind“ aussehen.

Prüfen - rufen - BEATMUNG - DRÜCKEN - SCHOCKEN

01 Prüfen

Reaktion des Kindes prüfen. Laut ansprechen, in die Hände klatschen oder geben Sie dem Kind durch Reiben des Brust- oder Schlüsselbeins einen Impuls. Wenn keine Reaktion erfolgt, muss als nächstes die Atmung kontrolliert werden. Öffnen Sie den Mund und schauen Sie hinein. Gibt es sichtbare Gegenstände im Mundraum? Nur wenn Sie etwas im vorderen Mundraum sehen, können Sie es mit den Fingern entfernen. Achten Sie auf die richtige Kopfhaltung, um die Atemwege zu öffnen. Bei Säuglingen ist es wichtig, dass der Kopf in einer Neutralposition (Schnüffelstellung) gelagert wird, damit die Atemwege frei sind. Bei älteren Kindern muss der Kopf leicht überstreckt und das Kinn angehoben werden, damit die Atemwege nicht verlegt sind. Dann gilt „Sehen, Hören, Fühlen“

  • Sehen:   Richten Sie Ihren Blick auf den entkleideten Brustkorb des Kindes und achten Sie darauf, ob sich der Brustkorb regelmäßig hebt und senkt. Wenn Sie keine oder nur unregelmäßige Bewegungen sehen, ist dies nicht ausreichend!
  • Hören:   Beugen Sie sich über das Kind, sodass sich Ihr Ohr über dem Mund und der Nase befindet und Sie so Atemgeräusche hören können.
  • Fühlen:   Legen Sie Ihre Hand auf den Brustkorb des Kindes und spüren Sie, ob sich der Brustkorb regelmäßig hebt und senkt.
Laienreanimation bei Kindern notsituation erkennen und Ruhe bewahren
Notsituation erkennen und Ruhe bewahren:
SEHEN, ob Bewegung von Brustkorb und Bauch vorhanden sind, HÖREN nach Atemgeräuschen, ´FÜHLEN nach Luftbewegungen an Mund und Nase

Bildnachweis:
Alexandra Vent (Deutsche Herzstiftung)

02 RUFEN

Wenn Sie keine Lebenszeichen erkennen können, wählen Sie oder eine andere anwesende Person umgehend den Notruf 112, stellen Sie die Lautsprecherfunktion ein und beginnen Sie mit den Wiederbelebungsmaßnahmen. Bleiben Sie am Telefon! Die Person in der Leitstelle wird alle benötigten Informationen erfragen, Sie anleiten und Ihnen genaue Anweisungen geben, was Sie als Nächstes tun müssen.

Wenn Sie allein sind und kein Mobiltelefon haben: Geben Sie bei fehlender Atmung fünf Atemspenden und starten Sie danach umgehend mit der Herzdruckmassage (30 Druckmassagen: 2 Atemspenden; 30:2). Machen Sie zuerst eine Minute die Basismaßnahmen, bevor Sie Ihr Kind allein lassen müssen, um Hilfe zu holen.

Laienreanimation bei Kindern 112
Um Hilfe rufen:
Wenn Sie alleine sind, Handy greifen, die 112 wählen und Freisprechanlage anschalten. Die Mitarbeiter der Notrufzentrale
werden Sie während der gesamten Zeit, bis die Rettung eintrifft, bei der Wiederbelebung unterstützen. Sind Sie zu zweit und
ein Defibrillator ist in Reichweite, können Sie diesen holen lassen.

Bildnachweis:
Alexandra Vent (Deutsche Herzstiftung)

03 Beatmung

Da bei Kindern häufig ein Atemwegsproblem vorliegt, welches im Notfall zu einem Kreislaufstillstand führen kann, werden bei der Kinderreanimation bei Fehlen von Lebenszeichen initial fünf Atemspenden gegeben und erst danach mit der Herzdruckmassage begonnen: 5 initiale Atemspenden, in der Folge 30 Druckmassagen im Wechsel mit 2 Atemspenden (30:2). Ziel der initialen, also anfänglichen fünf Atemspenden ist, dass mit der Sauerstoffzufuhr das Atemwegsproblem behoben und somit der Kreislauf schnell wieder einsetzen kann.

Bei Erwachsenen steht der Kreislaufstillstand, ausgelöst durch eine kardiale Ursache, im Vordergrund. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt Laienhelfern bei Erwachsenen keine Beatmung, sondern eine durchgehende Herzdruckmassage durchzuführen, bis professionelle Hilfe da ist. Es ist nicht der Sauerstoff, der dem Körper in den ersten Minuten nach einem Herzstillstand fehlt. Es ist der fehlende Blutfluss, so dass der Sauerstoff nicht zum Gehirn transportiert werden kann.

Mehr Informationen unter: www.herzstiftung.de/wiederbelebung

Laienreanimation bei Kindern Beatmung mit der Mund zu Nase Technik
Beatmung mit der Mund-zu-Nase-Technik beim
Säugling:

Atmen Sie normal ein und blasen Sie vorsichtig und gleichmäßig etwa eine Sekunde lang Luft gleichzeitig in Mund und Nase des Kindes, bis sich der Brustkorb hebt. Dann stoppen und warten, bis sich der Brustkorb wieder senkt. Jetzt erneut beatmen. Wichtig: Die Beatmung hat einen höheren Stellenwert als bei Erwachsenen!

Bildnachweis:
Alexandra Vent (Deutsche Herzstiftung)

Beatmung mit der Mund zu Mund Technik beim Kind
Beatmung mit der Mund-zu-Mund-Technik beim Kind:
Darauf achten, dass der Kopf geneigt und das Kinn angehoben ist. Den weichen Teil der Nase mit Zeigefinger und Daumen Ihrer Hand zudrücken. Einatmen und die Lippen um den Mund des Kindes legen, sodass sie gut abdichten. Eine Atemspende sollte rund eine Sekunde dauern und so kräftig sein, dass sich der Brustkorb sichtbar hebt.

Bildnachweis:
Alexandra Vent (Deutsche Herzstiftung)

04 Drücken (Herz-Lungen-
Wiederbelebung)

Wenn nach der Atemspende keine sichtbaren Lebenszeichen vorhanden sind, muss unverzüglich mit der Herzdruckmassage begonnen werden. Legen Sie Ihr Kind möglichst auf eine harte Unterlage und suchen Sie den Druckpunkt auf. Der Druckpunkt befindet sich in der unteren Hälfte des Brustbeins (Sternum). Bei Säuglingen umgreifen Sie diese mit beiden Händen und legen beide Daumen übereinander auf den Druckpunkt. Drücken Sie dann die Hälfte des Brustkorbs nach unten und entlasten Sie wieder vollständig. Bei Kindern knien Sie sich neben den Körper und legen den Ballen einer Hand oder beider Hände auf den Druckpunkt. Halten Sie die Arme gerade und drücken Sie die Arme dann circa fünf Zentimeter in die Tiefe. Danach wieder vollständig entlasten.

Drücken Sie die untere Brustkorbhälfte 100- bis 120-mal die Minute um mindestens ein Drittel des Durchmessers zusammen, bei Säuglingen etwa vier Zentimeter, bei Kindern fünf Zentimeter. Achten Sie dabei immer auf eine vollständige Entlastung des Brustkorbs nach dem Drücken, lehnen Sie sich nicht auf Ihr Kind. Nach 30 Herzdruckmassagen erfolgen erneut zwei Atemspenden, dann beginnt wieder die Herzdruckmassage. Gibt es keine Möglichkeit der Atemspenden, müssen dauerhaft Kompressionen durchgeführt werden. Diese Maßnahmen sollten zu keinem Zeitpunkt unterbrochen werden. Wenn Sie zu zweit oder mit mehreren Helfern vor Ort sind, ist es ratsam, sich abzuwechseln.

Laienreanimation Säugling Herz Druck Massage zwei Finger
Herz-Druck-Massage mit der Zwei-
Finger-Technik:

Den Kopf des Kindes so halten, dass die Atemwege offen bleiben. Dabei die untere Brustkorbhälfte mit zwei Fingern um mindestens ein Drittel des Durchmessers zusammendrücken, bei Säuglingen etwa vier Zentimeter.

Bildnachweis:
Alexandra Vent (Deutsche Herzstiftung)

Laienreanimation Säugling herz druck massage zwei daumen
Herz-Druck-Massage mit der Zwei-Daumen-Technik:
Der Druckpunkt befindet sich in der unteren Hälfte des Brustbeins (Sternum). Umgreifen Sie den Säugling mit beiden Händen und legen Sie beide Daumen übereinander auf diesen Druckpunkt.

Bildnachweis:
Alexandra Vent (Deutsche Herzstiftung)

Laienreanimation Herzdruckmassage Kind
Herzdruckmassage beim Kind:
Ersthelfer kniet seitlich neben dem älteren Kind. Druckpunkt ist das untere Brustbein. Als Orientierung eine Linie zwischen den Brustwarzen denken. Direkt unterhalb davon in der Mitte des Oberkörpers ist der optimale Druckpunkt.

Bildnachweis:
Alexandra Vent (Deutsche Herzstiftung)

05 schocken

Bei bekannten Herzrhythmusstörungen oder plötzlichem Zusammenbruch ist in der Notsituation eine Herzrhythmusstörung wahrscheinlich, sodass der zeitnahe Einsatz des AED notwendig sein kann. Wenn mehr als einen Helfer anwesend ist, sollte einer nach Absetzen des Notrufs sofort einen AED holen, sofern ein Gerät in erreichbarer Nähe ist. Nach Einschalten des Geräts, werden Sie als Helfer durch das Anwendungsprogramm geleitet.

Wenn die Möglichkeit besteht, sollten Sie für Kinder unter acht Jahren beim AED die Dosisanpassung anwenden (durch Einstellung oder Anbringen von Kinderelektroden). Befolgen Sie die Anleitung und kleben Sie die Pads wie dort beschrieben auf. Auch der Experte in der Notrufleitstelle wird Ihnen in dieser Ausnahmesituation per Telefon über Lautsprecher Anweisungen geben.

Laienreanimation bei Kindern Anwendung eines AED
Anwendung eines automatisierten externen Defibrillators (AED):
Bei bekannten Diagnosen wie Herzrhythmusstörungen kann der Einsatz des AED notwendig werden. Kleben Sie die Pads wie
hier für den Säugling im Unterschied zum Kleinkind (re.) gezeigt auf. Die Elektroden sollten sich an den entsprechenden
Stellen befinden. Keine Angst: Wenn Sie den AED einschalten, werden Sie direkt durch das Anwendungsprogramm geleitet.

Bildnachweis:
Alexandra Vent (Deutsche Herzstiftung)

Halten Sie die Wiederbelebungsmaßnahmen aufrecht bis der Rettungsdienst eintrifft und übernimmt.
Herausgeber
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheut (BIÖG), 50819 Köln
https://www.bioeg.de/
Alle Rechte vorbehalten

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Alexandra Vent (Deutsche Herzstiftung)

Konzept/Redaktion
Deutsche Herzstiftung /Björn Steiger Stiftung

Stand der Bearbeitung
06/2025
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