
Wenn in einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein das wohl legendärste Metal-Festival der Welt über die Bühne geht, dann bedeutet das: Ausnahmezustand. Für die Gemeinde, für das Gelände und vor allem für alle, die im Hintergrund für Sicherheit sorgen. Denn das Wacken Open Air ist nicht nur ein musikalisches Großereignis, sondern auch ein medizinisch-logistischer Kraftakt.
Jeder, der schon einmal auf dem Wacken Open Air war, kennt das Bild: (meistens) Schlamm soweit das Auge reicht, Zelte dicht an dicht, zehntausende Menschen auf engem Raum und dazu der Sound von 200 Bands auf 10 Bühnen. Was für viele nach viel Spaß klingt, ist aus Sicht der Notfallversorgung eine echte Herausforderung.
Mit rund 85.000 Besucher:innen sowie über 5.000 Mitarbeitenden entsteht eine temporäre Stadt, mit entsprechendem medizinischem Bedarf. Die häufigsten Einsätze sind alltäglich, aber nicht weniger relevant: Umgeknickte Knöchel, Insektenstiche, Kreislaufprobleme, kleine Schnittwunden. Das summiert sich.
Das Wacken Open Air verfügt über eine eigene medizinische Infrastruktur direkt auf dem Festivalgelände. Das Deutsche Rote Kreuz ist mit mehreren Hundert Einsatzkräften vor Ort, unterstützt von Feuerwehr, Polizei und Ordnungsamt.
In speziell eingerichteten Versorgungszelten können kleinere Eingriffe vorgenommen und Patient:innen direkt versorgt werden. Nur schwerwiegende Fälle müssen in umliegende Kliniken transportiert werden. Das entlastet nicht nur die umliegenden Kliniken, sondern bringe den Fans auch ein großes Stück Sicherheit.
Ein besonderes Augenmerk gilt Menschen mit Behinderung oder schweren Erkrankungen. Im Bereich „Wheels of Steel“ können auch stark eingeschränkte Gäste das Festival miterleben. Einige der Gäste haben nur noch wenige Wochen zu leben, aber sie wollen ein letztes Mal Wacken spüren. Die (hauptsächlich) Ehrenamtlichen tun alles, damit das möglich ist. Für diese Gruppe gibt es mobile Hilfsteams, Sanitäter, Dolmetscher und sogar Kühlmöglichkeiten für Medikamente. Viele davon sind Ehrenamtliche, ohne sie ginge das alles nicht.
Auch die psychologische Betreuung ist Teil des Konzepts: Auf dem Gelände sind ausgebildete Seelsorger im Einsatz. Etwa, wenn Fans Sorgen haben, Nöte oder wenn auf dem Festival etwas passiert, mit dem sie nicht allein klarkommen.
Auch die Polizei ist präsent, allerdings mit vergleichsweise wenig Personal, da Wacken sehr friedlich ist. Gleichzeitig ist die Präsenz auch eine Chance für Nachwuchsgewinnung. Viele Organisationen nutzen das Festival, um junge Menschen für den Rettungsdienst, die Feuerwehr oder die Polizei zu begeistern.
Das Sicherheitskonzept in Wacken geht auf. Nicht trotz, sondern gerade wegen der guten Vorbereitung, der engen Zusammenarbeit mit Behörden und dem Engagement tausender Helfer funktioniert hier, was andernorts undenkbar wäre: ein Ausnahmezustand, der sich sicher anfühlt.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen