
Der Internationaler Frauentag steht jedes Jahr für den Einsatz für Gleichberechtigung. Doch ein Bereich wird dabei oft übersehen: die medizinische Notfallversorgung. Genau hier zeigt sich eine Ungleichheit, die gravierende Folgen haben kann. Denn Studien belegen, dass Frauen bei einem Herzstillstand seltener Erste Hilfe erhalten als Männer – und dadurch schlechtere Überlebenschancen haben. Ziemlich logisch.
Unsere Botschaft ist deutlich: Unsicherheit, Scham oder fehlendes Wissen dürfen nicht darüber entscheiden, ob eine Frau einen Herzstillstand überlebt.
Kommt es zu einem plötzlichen Herzstillstand, zählt jede Minute. Ohne sofortige Wiederbelebung sinken die Überlebenschancen mit jeder Minute drastisch. Gerade deshalb ist die Hilfe von Ersthelfenden so entscheidend.
Umso erschreckender, dass wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Frauen werden deutlich seltener von Laien reanimiert als Männer.
Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Hemmschwelle vieler Menschen, eine Herzdruckmassage im Brustbereich einer Frau durchzuführen. Manche sind unsicher, wo sie drücken müssen, andere haben Angst, die Situation falsch einzuschätzen oder unangemessen zu handeln. Dieses zögern kann lebensgefährlich sein.
Diese Entwicklung ist alarmierend. Es darf im Notfall keine Rolle spielen, ob ein Mensch männlich oder weiblich ist. Entscheidend ist allein, dass sofort gehandelt wird. Niemand darf sterben, weil Ersthelfende zögern.
Um diese Hemmschwellen und Unsicherheit abzubauen, setzen wir gezielt auf Aufklärung und praktische Ausbildung. Im Rahmen der Initiative HERZSICHER (www.herzsicher.de) gibt es bundesweit Reanimationsschulungen für Unternehmen, Vereine, Organisationen und Privatpersonen.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Kurse sind Übungspuppen mit weiblicher Anatomie. Viele Menschen haben zuvor ausschließlich an Modellen trainiert, die einem männlichen Oberkörper entsprechen. Im Ernstfall kann das zu zusätzlicher Unsicherheit führen. Wer unterschiedliche Körperformen im Training erlebt, fühlt sich später sicherer und greift im Ernstfall schneller ein.
Das Ziel: Mehr Menschen sollen wissen, wie einfach und entscheidend Wiederbelebung sein kann.
Neben der geringeren Reanimationsquote gibt es noch einen weiteren Aspekt, der Frauen im Notfall benachteiligen kann: Herzinfarkte äußern sich bei ihnen häufig anders als bei Männern.
Während viele sofort an starke Schmerzen in der Brust denken, sind die Symptome bei Frauen oft weniger eindeutig. Häufig treten stattdessen Beschwerden auf wie:
Gerade deshalb werden Herzinfarkte bei Frauen nicht immer sofort erkannt.
Über viele Jahre hinweg sind Frauen in klinischen Studien deutlich seltener berücksichtigt worden. Die Folge: Viele Lehrbücher, Diagnoseleitlinien und medizinische Modelle orientieren sich stärker an den typischen Symptomen männlicher Patienten.
Gleichberechtigung darf im Notfall nicht enden
Wenn Herznotfälle bei Frauen später erkannt werden oder Ersthelfende zögern einzugreifen, entsteht eine gefährliche Ungleichheit. Aufklärung über unterschiedliche Symptome, realistische Trainingsbedingungen und eine stärkere Sensibilisierung für Erste Hilfe können dabei helfen, Leben zu retten.
Die wichtigste Botschaft bleibt einfach: Im Notfall sofort handeln.
Wenn eine Person plötzlich bewusstlos wird und nicht normal atmet:
Diese Maßnahmen gelten unabhängig vom Geschlecht.
Eine Anleitung und Tipps finden sie hier.
Der Weltfrauentag erinnert daher nicht nur an gesellschaftliche Gleichstellung, sondern auch daran, dass Gleichberechtigung im Gesundheitswesen und in der Notfallversorgung eine Frage des Überlebens sein kann.
Oder anders gesagt: Hilfe darf keine Unterschiede machen.
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