Presse

 
Winnenden, 06.08.2015

Wiederbelebungskurse im Schulunterricht nicht verpflichtend

Trotz einer Empfehlung des Schulausschusses der Kultusministerkonferenz vom Juni 2014 wurden bisher in keinem Bundesland Reanimationskurse im Lehrplan verpflichtend aufgenommen. In Mecklenburg-Vorpommern wird das Projekt „Retten macht Schule“ der Björn Steiger Stiftung an vielen Schulen dieses Jahr zum sechsten Mal freiwillig und mit Erfolg durchgeführt. In diesen sechs Jahren wurden somit insgesamt über 51.000 Schüler in Sachen Herz-Lungen-Wiederbelebung geschult.

Allerdings wird das Kultusministerium in Mecklenburg-Vorpommern zukünftig nur eine Empfehlung für eine flächendeckende Durchführung von Reanimationsschulungen im Unterricht aussprechen können, denn die Finanzierung der Lehrmittel liegt beim jeweiligen Schulträger. Sollten Lehr- und Lernmittel benötigt werden - zum Beispiel Übungspuppen für Herzdruckmassagen - müssten die Schulträger, meist Städte und Gemeinden, diese finanzieren. Bei den Schulträgern hat das Thema „Erste Hilfe“ jedoch häufig nicht oberste Priorität. Auch in Thüringen gibt sich das Bildungsministerium Mühe in Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen Reanimationskurse an den Schulen anzubieten. Jedoch bleibt es auch hier dabei: die Teilnahme ist freiwillig, im Lehrplan wird lediglich auf diese Möglichkeit hingewiesen. Die Björn Steiger Stiftung geht davon aus, dass es sich in den anderen Bundesländern ähnlich verhält. Andere Länder, wie Dänemark, Norwegen und einige Bundesstaaten der USA haben 'Erste Hilfe' schon seit einigen Jahren als Pflichteinheit an Schulen eingeführt. Mit großem Erfolg: in Dänemark stieg die Wiederbelebungsrate innerhalb von fünf Jahren von 20 auf 45 Prozent - die Überlebensrate verdoppelte sich.

Für die Siebtklässler in vielen Schulen Mecklenburg-Vorpommerns heißt es trotz allem dieses Jahr wieder: Herzstillstand erkennen, Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen und Notruf absetzen. Die Schulungsmaterialien werden nach wie vor von der gemeinnützigen Björn Steiger Stiftung gestellt. Karin Brillinger, Lehrerin der Schule am Mühlenberg in Cambs, hat dieses Projekt jedes Jahr in ihren Klassen durchgeführt. „Meine Schüler haben eine sehr positive Einstellung zur Initiative 'Retten macht Schule'. Sie üben mit vollem Einsatz. Das Projekt der Björn Steiger Stiftung hat es mir sehr einfach gemacht, Schülern ein gutes Rüstzeug für Notfallsituationen mitzugeben.“

Am 30.06.2014 hat der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz die Einführung von Modulen über das Thema „Wiederbelebung“ in dem vorgesehenen Zeitumfang von zwei Unterrichtsstunden pro Jahr ab Jahrgangsstufe 7 befürwortet und den Ländern empfohlen, Lehrkräfte entsprechend schulen zu lassen. Die Björn Steiger Stiftung kämpft seit 2007 für eine derartige Verankerung im Lehrplan. Die weiterführenden Schulen Mecklenburg-Vorpommerns haben bereits 2010 beschlossen, das Projekt der Stiftung fünf Jahre an ihren Schulen durchzuführen. Der Zuspruch unter den Lehrern und Schülern ist jedoch weiterhin so groß, dass die Siebtklässler in diesem sechsten Jahr wieder mit Reanimationsmaßnahmen vertraut gemacht werden. Dieses Jahr werden schätzungsweise 6.400 Schüler zu potentiellen Lebensrettern ausgebildet.

Jeder Siebtklässler soll die einfachen und doch lebenswichtigen Schritte beherrschen, um im Falle eines Herzstillstands Erste Hilfe leisten zu können. Die Schüler sind in diesem Alter physisch und psychisch in der Lage, dies zu bewerkstelligen. Das frühzeitige Erlernen der lebenserhaltenden Sofortmaßnahmen vermindert die Gefahr einer Hemmschwelle, um im Ernstfall tatsächlich zu handeln. Denn junge Menschen gehen unbedarfter an diese Aufgabe heran, vor allem wenn sie regelmäßig geschult und ausgebildet werden.

„Retten macht Schule“ - Hintergrund

Das Pilotprojekt von „Retten macht Schule“ startete 2009 in Berlin, ab 2010 wurde es jährlich in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt und seit letztem Jahr findet es in Baden-Württemberg an immer mehr Schulen statt. Entwickelt wurde das Projekt in enger Zusammenarbeit mit Dr. med. Gernot Rücker des Universitätsklinikums Rostock, der Studien zum Thema Ausbildung von Schülern in Wiederbelebung durchgeführt hat. Hierzu erläutert er: „Wiederbelebung ist ab Klassenstufe 7 problemlos theoretisch erlernbar und praktisch mit Erfolg durchführbar. Wir empfehlen daher die flächendeckende Einführung von Wiederbelebungskursen an allen Schulen als Pflichtlernstoff. Durch diese Maßnahme könnten selbst bei vorsichtiger Schätzung jährlich 5.000 Menschen durch rechtzeitige Wiederbelebung zusätzlich gerettet werden“. Der plötzliche Herztod, gegen den sich diese Maßnahme richtet, ist mit über 100.000 Opfern jährlich eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland.

Die Schulen erhalten Übungspuppen, an welchen den Schülern die Herz-Lungen-Wiederbelebung gelehrt wird. Dazu gehören das Equipment der Puppe, ein Schulungshandbuch sowie eine Schulungs-DVD in vier Sprachen. Die Kinder können anschließend Puppe und DVD einige Tage mit nach Hause nehmen. Dadurch beschäftigen sie sich ein wiederholt mit dem Thema, was zur Verinnerlichung des Gelernten dient. Die Initiative war bisher ein Spenden- und Sponsoren finanziertes Programm, dieses Jahr wird das Projekt in Mecklenburg-Vorpommern allein von der Björn Steiger Stiftung getragen. Wenn Sie sich dafür engagieren möchten, können Sie dies unter folgender Bankverbindung:

Bernhauser Bank
Verwendungszweck: Retten macht Schule
IBAN DE51 6126 2345 0004 4440 00
BIC GENODES1BBF
Kontonummer 4444 000
BLZ 612 623 45

Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung der bundesweit kostenfreien Notrufnummer 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen, Aufbau der Luftrettung oder die Einführung der kostenlosen Handyortung bei Notruf. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Frühgeborenentransport, der Breitenausbildung in Wiederbelebung und Frühdefibrillation, der Handy-Ortung durch Rettungsleitstellen, sowie der Sensibilisierung von Grundschülern für den Notfall.
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