Presse

 
Datteln, 30.03.2012

Startschuss für den ersten Baby-Notarztwagen „Felix“

Mit „Felix“ geht jetzt das erste ganzheitliche Baby-Notarztwagen-System der Welt in an den Start. Die mobile Intensivstation ermöglicht eine notfallmedizinische Versorgung und den schonenden Transport von Frühgeborenen und Säuglingen innerhalb und außerhalb der Klinik. Hochmoderne Fahrzeug- und Medizintechnik, die mit zahlreichen technischen Neuerungen für die optimale Betreuung der kleinen Patienten sorgt, macht den neuen Notarztwagen zu einem einzigartigen System zur Frühchen-Rettung. Das komplexe Gesamtsystem mit einem neu konstruierten und schwingungsfrei installierten Intensivtransportinkubator sorgt für wesentlich weniger Erschütterungen und weniger Lärm. Dies reduziert die Belastungen für die Frühchen erheblich und bietet eine deutlich höhere Überlebenschance. Das erste Exemplar des von der Björn Steiger Stiftung entwickelten Spezialfahrzeugs steht ab sofort bei der Vestischen Kinder- und Jugendklinik rund um die Uhr für die Erstversorgung und den sicheren Transport von Frühchen und Babys aus der gesamten Region bereit.

„Die Mitarbeiter der Feuerwehren und Rettungsdienste sind hochmotiviert bei ihrer Arbeit. Umso schöner ist es, dass sie mit dem neuen Baby-Notarztwagen jetzt noch schneller und zielgerichteter helfen können. So befinden sich auch die Kleinsten im Notfall in guten Händen“, betonte Dr. Hans-Ulrich Krüger, Staatssekretär im Ministerium für Inneres und Kommunales Nordrhein-Westfalen. Staatssekretär Dr. Krüger stellte am 30. März 2012 zusammen mit dem Präsidenten der Björn Steiger Stiftung Pierre-Enric Steiger, der Chefärztin der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Prof. Dr. Claudia Roll und der Berufsfeuerwehr das neue Baby-Notarztwagen-System „Felix“ in Dienst.

Die Björn Steiger Stiftung hat das völlig neuartige Baby-Notarztwagen-System „Felix“ in enger Zusammenarbeit mit mehr als einem Dutzend Firmen in den vergangenen drei Jahren entwickelt, darunter unter anderen die Daimler AG, Drägerwerk AG und AFT Atlas Fahrzeugtechnik GmbH. Die Unternehmen haben dabei Hand in Hand mit verschiedenen Säuglingsexperten sowie der Hochschule Esslingen gearbeitet. Fast 20.000 Ingenieursstunden, rund 10.000 Test-Kilometer, diverse Crash-Tests und über fünf Millionen Euro Entwicklungskosten waren für die Systemlösung erforderlich. Einen Großteil der Kosten trägt die Björn Steiger Stiftung. Das System bedeutet einen Quantensprung in der Frühchen- und Säuglingsbetreuung und deren Transport innerhalb und außerhalb der Klinik.

„Wir hoffen, dass sich nun immer mehr Kliniken für den Fortschritt entscheiden, um von den Vorteilen des modernen Systems beim Hospitaltransfer von Frühchen und Babys profitieren zu können. Ich finde es alarmierend, dass in Deutschland noch immer rund 50 Prozent aller Frühchen-Transporte in der für sie belastenden Längsrichtung und ohne geeignete Dämpfungssysteme erfolgen. Im Sinne der Eltern hoffe ich, dass der von unserer Stiftung bereits 1974 eingeführte Quertransport in Deutschland endlich der verbindliche Standard für den Transport der Neugeborenen wird“, betonte Pierre-Enric Steiger, bei der Indienststellung des neuen Baby-Notarztwagens.

„Frühgeborene benötigen hoch spezialisierte Medizin, die nur in Fachzentren geleistet werden kann, am besten schon direkt bei der Geburt. Es ist uns ein Anliegen, dass die Kinder von Anfang an in besten Händen sind. Der neue Baby-Notarztwagen kann dazu beitragen, dass Frühgeborene und Neugeborene, bei denen es während der Geburt unerwartet zu Problemen gekommen ist, aus anderen Kliniken schnell und sicher zu uns kommen und wir ihnen helfen können. Deswegen sind wir der Björn Steiger Stiftung sehr dankbar für ihren Einsatz“, so Chefärztin Prof. Dr. Roll.

Neues, aktives Dämpfungssystem

Mehr als 30.000 Frühchen und Babys müssen jährlich in Deutschland von einer Geburtsklinik in eine Spezialklinik verlegt werden. Die Belastungen bei einer solchen Fahrt durch äußere Einflüsse sind für Frühchen enorm. Ihr noch nicht voll entwickelter Organismus ist sehr anfällig für Erschütterungen, Stöße, Fliehkräfte und auch für Lärm. Während der Fahrt benötigen sie eine kontinuierliche intensivmedizinische Betreuung. Erfordernisse, die herkömmliche Rettungswagen in vielen Fällen nicht oder nur unzureichend erfüllen, sie sind auf den Transport von Erwachsenen ausgerichtet.

„Felix“ trägt den lebensbedrohenden Problemen beim Transport auf vier Rädern umfassend Rechnung, das System ist genau an den Bedarf der Frühchen angepasst. Der 3,8 Tonnen schwere Baby-Notarztwagen der neuesten Generation verfügt über ein neues, aktives Dämpfungssystem für die Halterung des mobilen Intensivtransportinkubators. Es gleicht Fahrbahnunebenheiten von bis zu 10 Zentimetern Tiefe mit dem extrem reaktionsschnellen Dämpfungssystem aus und absorbiert nahezu sämtliche Vibrationen. Dies reduziert die Belastungen der Patienten bereits erheblich und bietet damit eine deutlich höhere Überlebenschance. Das Prinzip des aktiven Dämpfungssystems ist im Rettungsdienst bislang nur im „Felix“-Baby-Notarztwagen realisiert.

Quer zur Fahrtrichtung verbauter Transportinkubator

Weiteren Schutz bietet der transportable Inkubator für Neugeborene. Er ist direkt hinter der Trennwand zum Fahrerhaus quer zur Fahrtrichtung eingebaut. Damit ist der Inkubator genau zwischen den Achsen quer zur Fahrtrichtung montiert, wo die geringsten physikalischen Kräfte wirken. Die Gefahr lebensbedrohlicher Gefäßverletzungen wird in dieser Liegeposition drastisch gesenkt. Dieser Quertransport ist die medizinisch beste Transportart für Neugeborene. Zusätzlich ermöglicht dies auch die bestmögliche Versorgung des Kindes während des Transports. Jüngste Studien von Medizinern der Universität Hannover und Rostock belegen: Die Belastungen auf den Organismus der Patienten verringern sich beim Transport im „Felix“ durch den Quertransport in Verbindung mit dem aktiven Dämpfungssystem um 90 Prozent gegenüber einem Transport in Längsrichtung ohne aktive Dämpfung.

Erschütterungsfreies, pneumatisches Be- und Entladen

Ein neues und erstmals eingesetztes pneumatisches Be- und Entladesystem für den Intensivinkubator des Baby-Notarztwagens verhindert ebenfalls Erschütterungen. Zusätzliche Sicherheit bietet auch das neue Unterfahrgestell des Intensivarbeitsplatzes. Es ist ebenfalls mit einem Dämpfungssystem ausgestattet, um Erschütterungen von Türschwellen, Fahrstuhlkanten oder Bodenunebenheiten auszugleichen. So bietet „Felix“ den größtmöglichen Schutz vor lebensbedrohlichen Erschütterungen beim Transport innerhalb und außerhalb der Klink.

Schalloptimiertes Rettungsfahrzeug

Schließlich sind die geräuschempfindlichen kleinen Patienten in der mobilen Intensivstation auch bestmöglich vor Fahr- und Umgebungsgeräuschen geschützt und damit weniger gesundheitsschädlichem Stress ausgesetzt. Im neuen Baby-Notarztwagen sind Schallschutzmatten in den Radkästen, auf dem Fahrzeugboden sowie an Wänden und der Decke eingebaut. Dadurch sinkt die Lärmbelastung um die Hälfte gegenüber bisherigen Modellen.

Spezielle Schulungen für Fahr- und Klinikpersonal

Die Björn Steiger Stiftung berücksichtigt bei der lebensrettenden Rundumbetreuung der Frühchen auch die Schulung und das Training des Fahr- und Klinikpersonals. Durch spezielle Schulungs- und Simulationstrainings erhalten sie die notwendige Sicherheit für den Noteinsatz unter realitätsnahen Bedingungen. Diese Schulungen in Kombination mit der modernsten Fahrzeug- und Medizintechnik machen „Felix“ zu dem weltweit ersten ganzheitlichen Baby-Notarztwagen-System.

Insgesamt plant die Björn Steiger Stiftung, innerhalb der kommenden fünf Jahre interessierten Kliniken 60 Fahrzeuge kostenfrei zur Verfügung zu stellen, um eine flächendeckende Versorgung in Deutschland zu erreichen. Die ersten vier Kliniken werden jetzt mit diesem Spezialfahrzeug ausgestattet. In den kommenden Wochen werden die nächsten Fahrzeuge in Vechta, Oldenburg und Fulda in Dienst gestellt. Der Preis beträgt 450.000 Euro pro Fahrzeug.

Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung der bundesweit kostenfreien Notrufnummer 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen, Aufbau der Luftrettung oder die Einführung der kostenlosen Handyortung bei Notruf. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Frühgeborenentransport, der Breitenausbildung in Wiederbelebung und Frühdefibrillation, der Handy-Ortung durch Rettungsleitstellen, sowie der Sensibilisierung von Grundschülern für den Notfall.
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