Presse

 
Mecklenburg-Vorpommern, 14.05.2012

Retten macht Schule geht in die dritte Runde

Bereits zum dritten Mal werden in dieser Woche im Rahmen einer landesweiten Aktion in Schüler und Schülerinnen zu Lebensrettern ausgebildet. Der Lehrgang für alle Siebtklässler an 188 Schulen des Landes ist Bestandteil des Projekts „Retten macht Schule“, das die Björn Steiger Stiftung initiiert und in Kooperation mit dem Kultusministerium und der Universitätsmedizin Rostock durchführt. Ziel der Spenden finanzierten Initiative ist es, im Kampf gegen den plötzlichen Herztod mehr Menschenleben zu retten. Während der Aktionswoche, die bis Freitag läuft, lernen die zwölfjährigen Schülerinnen und Schüler, einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu erkennen, einen Notruf abzusetzen und eine Wiederbelebung durchzuführen.

Insgesamt nehmen 7537 Schülerinnen und Schüler aus 188 Schulen an der Aktionswoche teil. Bereits in den beiden Vorjahren wurden 23.000 Siebtklässler und 300 Lehrer zu potentiellen Lebensrettern ausgebildet. Kultusminister Mathias Brodkorb steht hinter der Aktion: „Mecklenburg-Vorpommern ist das erste Bundesland, das die Aktionswoche „Retten macht Schule“ flächendeckend durchführt. Bereits zum dritten Mal in Folge lernen unsere Siebtklässler die Herz-Lungen-Wiederbelebung und werden so zu potentiellen Lebensrettern ausgebildet. Ich bedanke mich bei den Initiatoren des Projektes für das Engagement. Danken möchte ich aber vor allem den Lehrerinnen und Lehrern, denn erst durch sie wird möglich, dass besonders viele Jugendliche zu Lebensrettern ausgebildet werden.“

Die beiden Partner HELIOS Kliniken Schwerin und Drägerwerk AG & Co. KGaA übernehmen erneut die vollständige Finanzierung des Projekts. „Die Effizienz und die Nachhaltigkeit der Aktion beeindrucken mich sehr“, sagt Franzel Simon, Klinikgeschäftsführer der HELIOS Kliniken Schwerin und Regionalgeschäftsführer der HELIOS Region Nord-Ost. „Da wir in unseren Kliniken täglich mit der Problematik konfrontiert werden, ist es im wahrsten Sinne des Wortes Herzenssache für uns, das Projekt zu unterstützen.“ Die Björn Steiger Stiftung stellt hierfür speziell entwickelte Übungspuppen zur Verfügung. Die Schüler können diese Puppen mit nach Hause nehmen, um mit der Familie ebenfalls die Wiederbelebungsmaßnahmen zu trainieren.

Die Kampagne wurde in den letzten Jahren wissenschaftlich von Dr. med. Gernot Rücker und seinem Team von der Universitätsmedizin Rostock begleitet. Danach sind die Wiederbelebungskurse ab der siebten Klasse sinnvoll und die Handgriffe für die Schüler problemlos erlernbar. Nach Angaben des Anästhesie-Oberarztes sinken die Überlebenschancen im Fall eines Herz-Kreislaufstillstandes ohne Wiederbelebungsmaßnahmen um zehn Prozent pro Minute. Selbst nach vorsichtiger Schätzung könnten laut Rücker jährlich 5.000 Menschen zusätzlich durch rechtzeitige Wiederbelebung gerettet werden. Jedes Jahr sterben ca. 100.000 Menschen in Deutschland am plötzlichen Herztod.

„Viele Menschen sind sich unsicher, wenn es darum geht, bei Notfällen schnell und sachgerecht Hilfe zu leisten. Unser Ziel ist es, diese Hemmschwellen abzubauen. Das ist ein langer Weg. Ich freue mich, dass unsere Initiative aufgegriffen hat und die Notfallausbildung als erstes Bundesland in Deutschland für alle Siebtklässler flächendeckend umsetzt. Mit dieser Maßnahme können jedes Jahr viele Menschenleben in Deutschland gerettet werden“, erklärt Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung. „Ich empfehle daher den übrigen Bundesländern dringend, dem Beispiel s zu folgen und die flächendeckende Einführung von Wiederbelebungskursen an allen Schulen zum Pflichtlernstoff zu machen“.

Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung der bundesweit kostenfreien Notrufnummer 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen, Aufbau der Luftrettung oder die Einführung der kostenlosen Handyortung bei Notruf. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Frühgeborenentransport, der Breitenausbildung in Wiederbelebung und Frühdefibrillation, der Handy-Ortung durch Rettungsleitstellen, sowie der Sensibilisierung von Grundschülern für den Notfall.
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