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Winnenden, 11.02.2013

Notrufnummer unbekannt: Einer von vier Europäern kennt sie nicht

Noch immer kennt einer von vier Europäern die einheitliche europäische Notrufnummer 112 nicht. Diese Zahl stagniert seit Jahren, weshalb die EU mit dem Tag des europäischen Notrufs jährlich am 11.2. daran erinnert. Auch Deutschland hat Kommunikationsbedarf in Sachen 112: Immerhin können 21 Prozent der Schüler zwischen 10 und 19 Jahren die Notrufnummer gar nicht oder nur falsch benennen. 1991 wurde die europaweite einheitliche Notrufnummer 112 von der EU beschlossen, seit 2008 landen alle Notrufenden über diese Nummer, egal ob über Festnetz oder Mobiltelefon, kostenfrei direkt in Rettungsleitstellen. In Russland gibt es die einheitliche 112 seit letztem Jahr, der Staat Moldawien hat sie bis heute nicht - es fehlen die gesetzlichen Rahmenbedingungen und das nötige Geld. Ähnlich war es vor 40 Jahren in Deutschland, bevor die Björn Steiger Stiftung die kostenfreie einheitliche Notrufnummer 110/112 flächendeckend in Deutschland einführte. Es hieß, eine solche Einführung sei unbezahlbar - aber ohne, dass man die Kosten beziffern konnte. Erst auf konkrete Nachfrage der Björn Steiger Stiftung wurden die Kosten benannt. „Das war damals schon viel Geld, aber finanzierbar“, so das Gründer-Ehepaar Ute und Dr. Siegfried Steiger, und führte trotz politischen Widerstandes mit Unterstützung der Medien 1973 die flächendeckenden Notrufnummer 110/112 ein.

SMS-Notruf versus Faxgerät

Im Zeitalter des Mobilfunkes werden Notrufe von unterwegs abgesetzt. Oft wissen die Notrufenden aber den genauen Standort nicht. Deshalb engagiert sich die Björn Steiger Stiftung seit 2006 im Bereich Handyortung bei Notruf. Darunter fällt auch der politische Einsatz für gesetzliche Rahmenbedingungen, so auch für den SMS-Notruf.
Notrufe via SMS sind nicht nur sehr hilfreich für Hörgeschädigte, auch in anderen Situationen kann die SMS das sicherste Mittel sein, um einen Notruf abzusetzen - etwa als Beobachtender einer Streitsituation in einer S-Bahn, wenn man unbemerkt Hilfe holen möchte, oder wenn der Empfang schlichtweg nicht für einen Sprachanruf, aber für eine SMS ausreicht. Dennoch wurde mit dem neuen Telekommunikationsgesetz aus dem Mai 2012 der Hörgeschädigten-Notruf per Fax gesetzlich vorgeschrieben. Offenbar glaubt der Gesetzgeber, dass Hörgeschädigte immer ein Fax bei sich tragen und dies im Notfall auch noch benutzen können.

Björn Steiger Stiftung und der Notruf 110/112

1969 verunglückt Björn Steiger tödlich, da der Rettungsdienst fast eine Stunde braucht bis er an der Unfallstelle ist. Dessen Eltern gründen daraufhin die Björn Steiger Stiftung (BSS), um die Notfallhilfe in Deutschland zu verbessern. Eine der ersten Initiativen ist die Einführung der bundesweit einheitlichen und kostenlosen Notrufnummer 110/112.
Zunächst führt die Stiftung im Frühjahr 1973 die Notrufnummer 110/112 in allen Ortsnetzen der Deutschen Bundespost im damaligen Regierungsbezirk Nordwürttemberg ein. Als die bundesweite Einführung scheitert, verklagt sie am 27. Juli 1973 das Land Baden-Württemberg und die Bundesrepublik Deutschland vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart auf Einführung der Notrufnummer. Die Klage wird am 3. September 1973 erwartungsgemäß abgelehnt, führt aber zu einer breiten Unterstützung durch die Öffentlichkeit. Am 20. September 1973 wird die Einführung des Notrufs in allen Ortsnetzen auf der Sitzung der Ministerpräsidenten mit dem Bundeskanzler beschlossen.

Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung der bundesweit kostenfreien Notrufnummer 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen, Aufbau der Luftrettung oder die Einführung der kostenlosen Handyortung bei Notruf. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Frühgeborenentransport, der Breitenausbildung in Wiederbelebung und Frühdefibrillation, der Handy-Ortung durch Rettungsleitstellen, sowie der Sensibilisierung von Grundschülern für den Notfall.
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