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Winnenden, 12.05.2010

Björn Steiger Stiftung entwickelt neuen Baby-Notarztwagen


Rund 30.000 Babys und Frühchen in Deutschland müssen jährlich von Kinder- und Entbindungskliniken in Spezialkliniken gebracht werden. Damit die kleinen Patienten schonend und medizinisch optimal transportiert werden, entwickelt die Björn Steiger Stiftung (BSS) gemeinsam mit mehreren Partnern einen technisch neuen Baby-Notarztwagen. Neonatologen aus Deutschland sprechen von einem „Quantensprung“ im Baby- und Frühchen-Transport.

Täglich werden in Deutschland Frühchen in Entbindungskliniken geboren, deren Mütter nicht mehr rechtzeitig in eine der rund 100 neonatologischen Spezialkliniken kommen konnten. Selbst Geburten, die anfänglich normal verlaufen, können sich plötzlich zum Notfall entwickeln. Auch Babys, die primär in normalen Kinderkliniken behandelt werden und deren Zustand sich unvorhersehbar verschlechtert, sind Patienten, die dann in sogenannte Perinatal-Zentren oder auch andere Spezialkliniken transportiert werden müssen.

Auf Grund von Beschleunigungs- und Bremswirkungen, die in einem Fahrzeug in Fahrtrichtung entstehen, müssen diese empfindlichen Babys mit der am Kopf nicht verschlossenen Fontanelle quer im Fahrzeug transportiert werden. In einem konventionellen Rettungswagen ist dieser Quertransport nicht möglich. Durch unzureichende Dämpfung des Fahrzeugs können Erschütterungen und Vibrationen während der Fahrt den Gesundheitszustand der kleinen Patienten negativ beeinträchtigen. Darüber hinaus sollen vor allem Frühchen keiner längeren Lärmbelastung ausgesetzt sein, die durch Fahrgeräusche bisher kaum vermeidbar war.

Bereits 1974 entwickelte die BSS den ersten „Baby-Notarztwagen“ (Baby-NAW) mit quer eingebautem Transportinkubator. 2003 stellte sie den Baby-NAW mit verbessertem Dämpfungssystem in Dienst. Mit dem neuen Fahrzeug kommt der von vielen Neonatologen gewünschte „Quantensprung“ im Transportbereich.

Die BSS entwickelt mit verschiedenen Partnern einen technisch optimierten Baby-NAW, der nicht nur deutlich Schall gedämpft ist, sondern ein völlig neuartiges, aktives Dämpfungssystem enthält. Ebenfalls neu sind der Tragentisch und das Fahrgestell für den querverbauten Transportinkubator. Der Transportinkubator wird voraussichtlich in drei Entwicklungsstufen umgesetzt. Neben Beatmungsgerät, Spritzenpumpen, Monitoring-Systemen sowie Sauerstoff- und Druckluftversorgung entsteht auf Grund der sogenannten „Kofferbauweise“ im Innenraum Platz für weitere technische Einrichtungen. So beinhaltet das Fahrzeug eine Thermobox und Kühlschubladen. Abgesehen von Fahrer und Patienten können bis zu vier weitere Personen wie ein Neonatologe, Intensiv-Kinderkrankenschwester, Hebamme oder ein bis zwei Angehörige im Fahrzeug Platz nehmen. Bis Sommer 2010 soll das in seiner Entwicklung bis zu einer Million Euro teure Fahrzeug fertig sein.

Die BSS hat dieses Projekt initiiert und trägt neben den beteiligten Partnern einen Großteil der Kosten. Bereits jetzt sammelt die Stiftung bundesweit Spenden und sucht Förderer für die Finanzierung der Fahrzeuge, um sie so genannten Perinatalzentrum-Level1-Kliniken übergeben zu können. Hierzu finden bundesweit Sammlungen und Spendenaufrufe statt. Spenden zur Unterstützung des Baby-Notarztwagen-Projektes können überwiesen werden an die Bernhauser Bank, auf das Konto 4444 000, Bankleitzahl 612 623 45.

Bis August 2010 soll der erste Prototyp des Baby-Notarztwagens der neuen Generation fertiggestellt sein. Nach erfolgreichen Testfahrten erfolgt der Praxisfahr- und Vergleichstest mit dem von der Stiftung 2003 entwickelten Baby-NAW in Stuttgart sowie einem weiteren Stiftungsmodell in Lübeck. Diese Testfahrten finden in Kooperation mit dem DRK Stuttgart und der Berufsfeuerwehr Lübeck statt. Wenn alle Testergebnisse positiv ausfallen, erfolgt abschließend der medizinische Alltagstest durch das Klinikum Traunstein. Hier werden die ersten echten Einsätze mit Patienten gefahren.

Parallel zur Fertigstellung des eigentlichen Automobils arbeitet Dräger an den Komponenten, die dieses Automobil im Innern so besonders machen. Im Herbst soll das erste Fahrzeug der „Vestischen Kinder- und Jugendklinik“ in Datteln (Westfalen) übergeben werden.

Insgesamt plant die BSS bis Ende 2014 rund 100 Fahrzeuge zu finanzieren. Der genaue Finanzierungsbedarf pro Fahrzeug kann abschließend erst nach den letzten Tests ermittelt werden, zurzeit kalkuliert die Stiftung den Finanzierungsbedarf mit 200.000 Euro pro Fahrzeug.

Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung der bundesweit kostenfreien Notrufnummer 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen, Aufbau der Luftrettung oder die Einführung der kostenlosen Handyortung bei Notruf. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Frühgeborenentransport, der Breitenausbildung in Wiederbelebung und Frühdefibrillation, der Handy-Ortung durch Rettungsleitstellen, sowie der Sensibilisierung von Grundschülern für den Notfall.