Presse

 
Winnenden/Schwerin, 09.03.2010

11.768 Schüler in Mecklenburg-Vorpommern werden Lebensretter


In der Woche vom 15.-19. März 2010 werden alle Siebtklässler der weiterführenden Schulen Mecklenburg-Vorpommerns zu potentiellen Lebensrettern ausgebildet. Initiator und Finanzier der 300.000 EUR teuren Aktion „Retten macht Schule“ (www.retten-macht-schule.de) ist die Björn Steiger Stiftung. Sie setzt sich im Kampf gegen den plötzlichen Herztod dafür ein, dass eine Schulstunde in „Erster Hilfe“ zum festen Bestandteil des Lehrplans der 7. Klassen wird. Schirmherr der Aktion in Mecklenburg-Vorpommern ist Henry Tesch, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, der bei der Ausbildung an vier Neustrelitzer Schulen am 19.03.2010 selbst dabei sein wird. Die Ausbildung der Lehrer auf der Schulungsveranstaltung am 12.03.10 in der Scandlines Arena in Rostock wird unterstützt vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern und von der Universität Rostock, die diese Aktion wissenschaftlich und beratend begleitet.

Der Startschuss zur Initiative „Retten macht Schule“ fiel im November 2009 in Berlin, wo 6.000 Siebtklässler trainiert wurden. Nach dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sollen weitere Bundesländer folgen. Das Ziel: in den kommenden fünf Jahren alle Siebtklässler Deutschlands in Erster Hilfe auszubilden. Hierzu Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung: „Wir wollen, dass junge Menschen selbstverständlich Erste Hilfe leisten.“ Dass sie dazu in der Lage sind, bestätigt Dr. Gernot Rücker, Oberarzt des Universitätsklinikums Rostock und Verantwortlicher einer Studie zum Thema: „Erste Hilfe ist ab Klassenstufe 7 problemlos theoretisch erlernbar und praktisch mit Erfolg durchführbar. Wir empfehlen die flächendeckende Einführung von Wiederbelebungskursen an den Schulen als Pflichtlernstoff. Denn durch die Maßnahme könnte selbst bei vorsichtiger Schätzung eine Steigerung der Überlebensrate nach Herz-Kreislaufstillstand von 10 % erreicht werden und damit jährlich 5000 Menschen zusätzlich gerettet werden.“

Kultusminister Henry Tesch ist Schirmherr der Aktion: „Das Projekt wird in jeder Hinsicht dem Motto „Retten macht Schule“ gerecht. Die Schule ist ein geeigneter Ort, um bei den Schülerinnen und Schülern frühzeitig das nötige Basiswissen zur Ersten Hilfe zu vermitteln und wertvolle Handlungskompetenzen herauszubilden.“

12-Jährige lernen in der Aktionswoche zum Beispiel einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu erkennen, einen Notruf abzusetzen und die Herz-Lungen-Wiederbelebung effektiv durchzuführen. Die Lehrer erwerben zunächst die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten bei der Schulungsveranstaltung in Rostock und erhalten zudem ein medizinisches Trainingshandbuch. Für den Schulunterricht stellt die Stiftung jedem Schüler eine Übungspuppe zur Verfügung. Darüber hinaus enthält das Paket eine Kurzanleitung und eine Schulungs-DVD. So können die Schüler auch nach dem Unterricht üben und sich interaktiv am Computer mit dem Thema beschäftigen. Die Übungspuppe kann für einen begrenzten Zeitraum mit nach Hause genommen werden, um auch der Familie die richtige Herz-Lungen-Wiederbelebung zu zeigen. Alle Trainingsmaterialien sind für die teilnehmenden Schulen kostenfrei.

„Retten macht Schule“ ist ein Spenden- und Sponsorenfinanziertes Projekt. Zahlreiche prominente Paten setzen sich seitdem unterstützend ein und helfen, Gelder für die Anschaffung der Übungspuppen und die Produktion der Schulungsunterlagen zu sammeln. Für die Umsetzung des bundesweiten Projektes benötigt die Stiftung insgesamt eine Million Übungspuppen. Eine Übungspuppe pro Schüler kostet 15,- Euro. Spenden können überwiesen werden an die Deutsche Bank, Verwendungszweck: Retten macht Schule, Konto 22 22 2 55 00, BLZ 600 700 70.

Jährlich sterben in Deutschland ca. mehr als 100.000 Menschen am plötzlichen Herztod - statistisch betrachtet stirbt alle 5 Minuten ein Bundesbürger daran. Damit ist der plötzliche Herztod eine der häufigsten Todesursachen und somit eine der größten medizinischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Die meisten Menschen fühlen sich unsicher im Notfall Erste Hilfe zu leisten. Bis der Notarzt oder Rettungsdienst eintrifft, ist es zu spät: In den ersten drei bis fünf Minuten müssen wiederbelebende Maßnahmen ergriffen werden. Rettungskräfte oder Ärzte können nicht so schnell vor Ort sein, der beherzt handelnde Laie in der Nähe ist überlebenswichtig.

Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung der bundesweit kostenfreien Notrufnummer 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen, Aufbau der Luftrettung oder die Einführung der kostenlosen Handyortung bei Notruf. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Frühgeborenentransport, der Breitenausbildung in Wiederbelebung und Frühdefibrillation, der Handy-Ortung durch Rettungsleitstellen, sowie der Sensibilisierung von Grundschülern für den Notfall.